Dass dem so sei, wurde in einem Artikel für „Kress News“ unter der Onlineplattform kress.de des entsprechenden Branchendiensts für Kommunikation genannt. Dessen Autor wiederum bezieht sich auf das Magazin „kresspro“, in dem Gehaltszahlen genannt würden:

„Wenn das Honorar, das meine Kollegen (…) recherchiert haben, nur ansatzweise stimmen sollte, verdienen Scholl und Kahn pro Einsatztag bis zu 50.000 Euro Honorar“, schreibt Bülend Ürük.

Einen Vergleich schickt er sofort hinterher: Das sei der Jahresverdienst eines erfahrenen Fernsehredakteurs.

Welche TV-Experten verdienen Millionen?
Mit „Scholl“ ist Mehmet Scholl, der Fernsehexperte der ARD gemeint, und mit „Kahn“, der Fernsehexperte des ZDF. Beide sind seit 2008 beim jeweiligen Sender unter Vertrag. Was die zwei als Kenner auszeichnet?

Beide haben Fußball in der deutschen Nationalmannschaft gespielt: Scholl wurde mit ihr 1996 Europameister und gewann mit Bayern München 2001 die Champions-League und den Weltpokal. Zudem wurde der heute 45-Jährige achtmal Deutscher Meister und fünfmal DFB-Pokal-Sieger.
Kahn wurde dreimal zum Welttorhüter des Jahres gewählt. Im Jahr 2002 wurde der heute 47-Jährige als erster und bis dato einziger Torwart mit dem Goldenen Ball für den besten Spieler der Weltmeisterschaft ausgezeichnet.

Die Reaktion der Benannten
In diesem EM-Jahr erhalte Mehmet Scholl von der ARD 1,6 Millionen Euro. Das ZDF überweise Oliver Kahn auch einen siebenstelligen Betrag pro Jahr, so die kress-Autoren. Und was sagen Scholl und Kahn dazu?

„Die von einem offenbar bösartigen Journalisten in Umlauf gebrachte angebliche Höhe meines Honorars ist von der Realität genauso weit entfernt wie die Engländer von einem EM-Titel, nämlich meilenweit“, so Scholl gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Kahn dementierte ebenfalls: „Hierbei handelt es sich um eine eklatante Falschmeldung, die jeglicher Grundlage entbehrt. Kress.de verbreitet eine Fehlinformation, die bewusst Neid und Missgunst in der Öffentlichkeit in Kauf nimmt und den Zuschauern die Freude an der Berichterstattung vermiesen soll“, ist auf

seiner Facebook-Seite zu lesen. Er erwäge es außerdem, juristisch gegen den Branchendienst vorzugehen.

Von ARD und ZDF kam auch ein Dementi: „Es gleicht beinahe schon vorsätzlicher Bösartigkeit, welche Zahlen auch hier im Zusammenhang mit dem Expertenvertrag von Mehmet Scholl geschrieben und vervielfältigt werden“, meint ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Die Zusammenarbeit mit Oliver Kahn basiert auf einer Pauschalvereinbarung über zwei Jahre. Die genannten Zahlen entbehren jeglicher Grundlage“, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.