Lufthansa kämpft mit explodierenden Treibstoffkosten und sucht Auswege
14. June 2026
Steigende Kerosinpreise belasten die Bilanz der Lufthansa massiv. Die Airline fordert nun auch in Europa Zugang zu günstigerem US-Treibstoff und verschiebt die Auslieferung des Airbus A380.
Milliardenlast durch teures Kerosin
Die Lufthansa Group spürt die Auswirkungen der hohen Treibstoffpreise mit voller Wucht. Nach eigenen Angaben belasten die gestiegenen Kerosinkosten den Konzern mit einem Milliardenbetrag. Die Treibstoffrechnung ist einer der größten Kostenblöcke einer Fluggesellschaft, und die aktuellen Marktpreise setzen die gesamte Branche unter Druck. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bezeichnete die Lage als „außergewöhnliche Häufung externer Schocks", die den scheinbaren Höhenflug des Unternehmens trüben.
Die Airlines versuchen, die Mehrkosten über Ticketpreise und Zuschläge an die Kunden weiterzugeben, doch die Wettbewerbssituation in Europa macht dies nur begrenzt möglich. Vor allem Billigflieger und Airlines aus dem Nahen Osten mit niedrigeren Kostenstrukturen setzen die etablierten Anbieter unter Druck. Die Lufthansa reagiert daher mit weiteren Sparmaßnahmen und strategischen Neuausrichtungen.
Forderung nach US-Treibstoff in Europa
Ein zentraler Hebel für die Lufthansa ist der Zugang zu günstigerem Kerosin. Die Airline hat deshalb einen Vorstoß gestartet, um auch an europäischen Flughäfen US-amerikanischen Treibstoff tanken zu dürfen. Hintergrund sind die unterschiedlichen Produktionskosten und Steuersätze für Kerosin in den USA, die einen deutlichen Preisvorteil bieten. Bislang ist es Airlines in der EU meist nicht erlaubt, in größerem Umfang importierten Treibstoff aus Drittstaaten zu nutzen. Die Lufthansa argumentiert, dass dies den Wettbewerb verzerre und die europäischen Airlines benachteilige.
Die Forderung stößt jedoch auf Widerstand. Umweltschutzverbände warnen vor zusätzlichen CO₂-Emissionen durch längere Transportwege. Zudem könnte ein solcher Schritt die ohnehin angespannte Versorgungslage an einigen Flughäfen verschärfen. Die Diskussion zeigt, wie komplex die Energiefrage in der Luftfahrt geworden ist. Die Lufthansa hofft, dass die Politik die Regeln lockert, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Airlines zu stärken.
Auswirkungen auf die Flotte
Die Teuerung beim Treibstoff hat auch direkte Auswirkungen auf die Flottenplanung der Lufthansa. Die Airline hat die Auslieferung des Airbus A380 vorerst gestoppt. Der Superjumbo, der eigentlich zur Flottenerneuerung und Kapazitätsausweitung beitragen sollte, gilt als besonders treibstoffhungrig. In Zeiten hoher Kerosinpreise rechnet sich der Betrieb des Riesenflugzeugs kaum noch. Stattdessen setzt die Lufthansa verstärkt auf moderne, effizientere Modelle wie den Airbus A350 oder die Boeing 787. Diese verbrauchen deutlich weniger Treibstoff und senken die Betriebskosten.
Strategische Neuausrichtung gefordert
Analysten sehen die Lufthansa vor einem tiefgreifenden Umbruch. Der Konzern müsse seine Geschäftsmodelle überdenken, um auch in einem Umfeld dauerhaft hoher Kerosinpreise bestehen zu können. Dazu gehören neben der Modernisierung der Flotte auch die Optimierung des Streckennetzes und die Suche nach alternativen Treibstoffen. Die Lufthansa arbeitet bereits an der Nutzung von Sustainable Aviation Fuels (SAF), die aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Allerdings sind diese synthetischen Kraftstoffe derzeit noch deutlich teurer als herkömmliches Kerosin und nur in geringen Mengen verfügbar.
| Kostenfaktor | Anteil am Gesamtaufwand (ca.) | Entwicklung 2023/2024 |
|---|---|---|
| Kerosin | 25-30% | stark gestiegen |
| Personal | 20-25% | stabil |
| Wartung | 10-15% | leicht gestiegen |
| Flughafengebühren | 10-15% | stabil |
Die Lufthansa steht nicht allein da. Praktisch alle großen Airlines kämpfen mit den hohen Treibstoffkosten. Doch die Strategie der Lufthansa, auch auf regulatorischer Ebene Einfluss zu nehmen, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Ob die Politik die Forderung nach US-Kerosin in Europa erhört, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Kostendruck wird die Branche noch länger begleiten. Die Lufthansa muss ihre Hausaufgaben machen, um nicht abgehängt zu werden.
Bleibt die Frage, ob die Passagiere bereit sind, die höheren Kosten in Form von teureren Tickets zu tragen. Viele Kunden achten zunehmend auf den Preis, vor allem auf Kurzstrecken. Die Lufthansa setzt daher auf eine Zweiklassengesellschaft: Premiumprodukte für Geschäftsreisende und ein günstiges Angebot über ihre Tochter Eurowings. Ob diese Strategie aufgeht, wird sich in den nächsten Quartalen zeigen. Die Zeichen stehen jedenfalls auf Sturm – nicht nur wegen der hohen Kerosinpreise, sondern auch wegen des globalen Wettbewerbs und der Klimadebatte.
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