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Montag, der 8. Juni 2026

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Wirtschaft

Lufthansa trotz Kerosinkrise: Höhere Gewinne und US-Treibstoff als Trumpf

Die Lufthansa plant trotz milliardenschwerer Belastungen durch teures Kerosin einen Gewinnanstieg. Ein neuer Vorstoß: US-Treibstoff auch in Europa tanken zu dürfen.

Lufthansa trotz Kerosinkrise: Höhere Gewinne und US-Treibstoff als Trumpf

Ein ambitioniertes Ziel in schwierigen Zeiten

Die Lufthansa hat ehrgeizige Pläne. Trotz einer Milliardenbelastung durch gestiegene Kerosinpreise und anhaltender Krisen in der Luftfahrtbranche will der Konzern seinen Gewinn in diesem Jahr steigern. Die Aktie reagierte positiv auf die Ankündigung, doch die Frage bleibt: Wie will Deutschlands größte Fluggesellschaft das schaffen?

Ein Blick auf die Zahlen zeigt das Ausmaß der Herausforderung. Allein die höheren Treibstoffkosten belasten die Bilanz mit einem zweistelligen Millionenbetrag pro Quartal. Hinzu kommen gestörte Lieferketten und stockende Produktion bei neuen Flugzeugmodellen wie dem Airbus A321XLR. Doch Vorstandschef Carsten Spohr zeigt sich zuversichtlich und setzt auf Effizienzsteigerungen sowie neue strategische Wege.

US-Treibstoff für Europa: Ein ungewöhnlicher Vorstoß

Eine der überraschendsten Maßnahmen ist der Plan, Kerosin aus den USA auch an europäischen Drehkreuzen zu tanken. Die Lufthansa argumentiert, dass US-Treibstoff deutlich günstiger sei als der in Europa verfügbare. Das Unternehmen hat bei den zuständigen Behörden entsprechende Genehmigungen beantragt, um in Städten wie Frankfurt oder München amerikanisches Kerosin nutzen zu dürfen.

Der Vorstoß ist nicht unumstritten. Kritiker befürchten Wettbewerbsverzerrungen und warnen vor Abhängigkeiten von US-Importen. Befürworter hingegen sehen darin eine logische Reaktion auf die ungleichen Marktbedingungen: Während die USA durch heimische Ölförderung niedrigere Preise bieten, sind europäische Airlines zusätzlich durch CO2-Abgaben und höhere Steuern belastet.

Die Kostenexplosion bei Treibstoff

Die Preise für Flugbenzin sind in den vergangenen Monaten um mehr als 30 Prozent gestiegen. Grund dafür sind unter anderem die Folgen des Ukraine-Kriegs, Sanktionen gegen russisches Öl und eine insgesamt erhöhte Nachfrage nach Rohöl. Für die Lufthansa summieren sich die Mehrkosten auf über eine Milliarde Euro jährlich. Ein Teil dieser Last wird an die Passagiere weitergegeben – durch höhere Ticketpreise und Treibstoffzuschläge.

Doch Spohr will nicht nur sparen, sondern auch wachsen. Die Buchungszahlen für die kommende Sommersaison liegen über dem Vorjahresniveau, insbesondere auf den Langstrecken nach Nordamerika und Asien. Gleichzeitig stockt die Flotte: 20 neue Airbus A350 sollen in diesem Jahr ausgeliefert werden, obwohl Verzögerungen bei Airbus die Planung erschweren.

Gewinnprognose: Zwischen Optimismus und Realität

Der Konzern erwartet für 2025 einen operativen Gewinn von mindestens 2,5 Milliarden Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Analysten zeigen sich skeptisch: Die Risiken seien hoch, schließlich hänge der Erfolg maßgeblich von stabilen Ölpreisen und störungsfreien Betriebsabläufen ab. Zudem belasten Tarifverhandlungen mit dem Kabinenpersonal und Piloten die Kostenbasis.

Die Lufthansa setzt daher auf mehrere Hebel:

  • Modernisierung der Flotte mit sparsameren Triebwerken
  • Ausbau des Streckennetzes in profitable Regionen wie China und Indien
  • Optimierung der Drehkreuze in Frankfurt, München und Zürich
  • Kosten senken in der Verwaltung und bei Zulieferern

Die Rolle der Politik

Die Fluggesellschaft fordert zudem politische Unterstützung. So appelliert sie an die EU, die hohen Umweltauflagen für europäische Airlines zu lockern oder zumindest international zu harmonisieren. Ein zentrales Anliegen ist die Erlaubnis, US-Kerosin in Europa zu tanken – ein Schritt, der die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern könnte. Die Entscheidung liegt nun bei den nationalen Luftfahrtbehörden und der Europäischen Kommission.

Bis dahin bleibt die Lufthansa auf Kurs. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen – spätestens mit den Quartalszahlen im Herbst. Eines aber ist klar: Die Luftfahrtbranche steht vor einem grundlegenden Wandel, und die Lufthansa will dabei ganz vorne mitfliegen.

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