Airbus unter Druck: Rekordjahr geplant, doch der Ausblick enttäuscht die Anleger
Das vierte Quartal 2025 verlief aus operativer Sicht durchaus erfreulich. Airbus steigerte den Umsatz um fünf Prozent auf knapp 26 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) legte sogar um 17 Prozent auf 2,98 Milliarden Euro zu. Unterm Strich stand ein Nettogewinn von 2,58 Milliarden Euro – ein Plus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2025 wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 73,4 Milliarden Euro, der bereinigte operative Gewinn sprang um ein Drittel auf etwas mehr als 7,1 Milliarden Euro.
Die Aktionäre sollen an dieser Entwicklung teilhaben: Die Dividende soll um 20 Cent auf 3,20 Euro je Aktie steigen. Analysten hatten im Vorfeld sogar mit einer Senkung der Ausschüttung gerechnet, entsprechend positiv wurde dieser Punkt aufgenommen.
Rekordausblick mit Schönheitsfehler
Für das laufende Jahr 2026 zeigt sich Konzernchef Guillaume Faury ambitioniert. Airbus peilt die Auslieferung von rund 870 Verkehrsflugzeugen an – das wäre ein neuer Rekord und würde den bisherigen Bestwert von 863 Maschinen aus dem Jahr 2019 übertreffen. Der operative Gewinn soll auf etwa 7,5 Milliarden Euro steigen.
Doch genau hier liegt das Problem: Die Markterwartungen lagen deutlich höher. Branchenexperten hatten im Schnitt mit Auslieferungen von mehr als 900 Jets und einem Gewinn von über acht Milliarden Euro gerechnet. Der Ausblick des Managements blieb hinter diesen Prognosen zurück – und das ließen die Anleger nicht durchgehen.
Triebwerksengpässe bremsen den Produktionshochlauf
Als Hauptgrund für die verhaltene Prognose nannte Airbus erhebliche Probleme bei einem wichtigen Zulieferer. Der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney, eine Tochter des US-Konzerns RTX, kann die bestellten Antriebe nicht im vereinbarten Umfang liefern. Konzernchef Faury sprach von einem "signifikanten Rückstand" und machte deutlich, dass sich dies negativ auf die Produktionsplanung auswirke.
Die Folgen sind weitreichend: Für die wichtige Schmalrumpf-Baureihe A320neo rechnet Airbus nun bis Ende 2027 nur mit einer monatlichen Produktionsrate von 70 bis 75 Maschinen. Ursprünglich hatte der Konzern für 2027 die Marke von 75 Flugzeugen pro Monat fest im Visier. Eine stabile Produktion von 75 Jets wird nun erst nach 2027 erwartet.
Analysten reagieren gespalten
Die Reaktionen der Analystenhäuser fielen gemischt aus. Bernstein Research belässt die Einstufung zwar auf "Outperform" mit einem Kursziel von 234 Euro – was gegenüber dem aktuellen Niveau ein Aufwärtspotenzial von mehr als 22 Prozent bedeuten würde. Analyst
Douglas Harned verwies jedoch darauf, dass der Ausblick für Auslieferungen und operativen Gewinn deutlich unter den Erwartungen liege.
Die Privatbank Berenberg hält an ihrem "Hold"-Rating mit einem Kursziel von 210 Euro fest. Analyst George McWhirter betonte in einer ersten Einschätzung, dass der Geschäftsbericht zwar weitgehend den Erwartungen entsprochen habe, die schwache Auslieferungsprognose für 2026 und die reduzierte A320-Produktionsrate dies jedoch überschatteten. Auch Jefferies und Barclays Capital veröffentlichten zeitnah neue Einschätzungen, wobei die Meinungen von "Hold" bis "Overweight" reichten.
Der Blick auf den Chart
Die Airbus-Aktie notierte am Donnerstagmorgen bei rund 190 Euro und damit auf dem niedrigsten Niveau seit mehreren Wochen. Seit dem Jahreshoch Mitte Januar bei über 221 Euro hat der Titel mittlerweile etwa 15 Prozent an Wert eingebüßt. Börsianer werten den Rücksetzer zwar als heftig, aber nicht vollkommen überraschend – schließlich hatte sich die Korrektur zuletzt bereits angedeutet. Die einfache 200-Tage-Linie hatte zuvor zweimal als Unterstützung gehalten und Käufer angezogen.
Warum die Reaktion der Anleger dennoch überrascht
Auf den ersten Blick wirkt der Kurssturz übertrieben. Schließlich hat Airbus solide Zahlen vorgelegt, die Gewinne steigen, die Dividende wird erhöht, und mit 870 geplanten Auslieferungen peilt das Management ein Rekordjahr an. Zudem steckt der große Rivale Boeing weiterhin in einer tiefen Krise – der US-Konzern schrieb zuletzt erneut tiefrote Zahlen und lieferte nur 600 Maschinen aus.
Doch die Börse blickt nach vorne, und hier offenbart sich ein bekanntes Muster: Airbus kämpft seit Jahren mit Problemen im Produktionshochlauf. Mal waren es Lieferkettenengpässe, dann Qualitätsmängel bei Zulieferern, nun erneut Triebwerksprobleme. Die wiederholten Verschiebungen der Produktionsziele haben das Vertrauen der Anleger in die Umsetzungsstärke des Managements beschädigt. Hinzu kommt, dass die Gewinnschätzung für 2026 mit 7,5 Milliarden Euro deutlich unter den Konsenserwartungen lag – und damit den Spielraum für positive Überraschungen erst einmal begrenzt.
Der Blick auf die Produktionspläne im Detail
Neben der A320neo-Familie passte Airbus auch die Zeitpläne für andere Modelle an. Die Produktionsrate des Großraumflugzeugs A330 soll weiterhin bis 2029 von aktuell vier auf fünf Maschinen pro Monat steigen. Für das größere Modell A350 strebt der Konzern weiterhin zwölf Auslieferungen pro Monat im Jahr 2028 an. Beim kleinsten Passagierflugzeug A220, dessen Fertigung im Oktober wegen Verzögerungen beim US-Zulieferer Spirit Aerosystems gedrosselt werden musste, peilt Airbus nun bis 2028 eine Steigerung von zwölf auf 13 Maschinen an.
Fazit: Zwischen Rekordjagd und Realität
Airbus steht an einem Scheideweg. Die Nachfrage nach neuen Flugzeugen ist ungebrochen hoch, die Auftragsbücher sind gefüllt wie selten zuvor. Doch die Umsetzung in der Breite stockt. Die Abhängigkeit von wenigen großen Zulieferern wie Pratt & Whitney erweist sich zunehmend als Achillesferse. Für Anleger bedeutet dies: Die Aktie bietet langfristig Perspektive, bleibt aber kurzfristig anfällig für Rückschläge. Wer auf eine schnelle Erholung setzt, sollte die Lieferketten-Entwicklungen bei den Triebwerken genau im Auge behalten – solange hier keine Entspannung eintritt, dürfte der Druck auf den Kurs anhalten.




