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Sonntag, der 7. Juni 2026

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Gesundheit

Multiresistente Erreger: Neue Strategien im Kampf gegen Krankenhauskeime

Immer mehr Patienten infizieren sich im Krankenhaus mit resistenten Bakterien. Neue Studien und Hygienekonzepte zeigen, wie sich die Erreger effektiver eindämmen lassen – und warum Alters- und Pflegeheime stärker einbezogen werden müssen.

Multiresistente Erreger: Neue Strategien im Kampf gegen Krankenhauskeime

Die Zahlen sind alarmierend: In deutschen Krankenhäusern erkranken jährlich Zehntausende an sogenannten nosokomialen Infektionen, also an Keimen, die sie sich erst während des Aufenthalts zugezogen haben. Besonders gefürchtet sind multiresistente Erreger (MRE) wie MRSA, VRE oder ESBL-bildende Bakterien. Sie sind gegen viele Antibiotika unempfindlich und können schwere, manchmal lebensbedrohliche Infektionen auslösen.

Doch die Medizin steht nicht hilflos da. Gleich mehrere aktuelle Forschungsprojekte und Leitlinien zeigen, wie Kliniken, Pflegeheime und Arztpraxen die Verbreitung dieser Keime besser verhindern können. Dabei geht es nicht nur um mehr Hygiene, sondern auch um kluge Priorisierung, verbesserte Diagnostik und den klugen Umgang mit Antibiotika.

Isolation: Segen und Fluch zugleich

Eine der wichtigsten Maßnahmen gegen MRE ist die Isolation infizierter oder besiedelter Patienten. Sie werden auf speziellen Zimmern untergebracht, das Personal trägt Schutzkittel und Handschuhe, Besucher müssen strenge Regeln einhalten. Das klingt nachvollziehbar – doch in der Praxis stellt die Isolation Krankenhäuser vor immense Herausforderungen. Einerseits schützt sie andere Patienten, andererseits isoliert sie die Betroffenen sozial und psychisch. Ältere Menschen leiden besonders darunter, wenn sie tagelang keinen Besuch empfangen dürfen oder nur durch eine Scheibe Kontakt zu Angehörigen haben.

Die Rechtsdepesche hat jüngst einen Überblick über die aktuellen Isolationsstrategien in Deutschland vorgelegt. Demnach setzen viele Kliniken auf abgestufte Konzepte: nicht jeder Patient mit multiresistentem Keim muss zwangsläufig in Einzelzimmer, wenn die Hygienestandards auf Normalstation eingehalten werden können. Entscheidend ist die Risikobewertung: Handelt es sich um einen Keim mit besonders hohem Gefährdungspotenzial? Wie gebrechlich sind die Mitpatienten? Gibt es offene Wunden oder Katheter?

Psychische Belastung nicht unterschätzen

Neben den klinischen Aspekten rückt zunehmend das seelische Wohl der Betroffenen in den Fokus. Studien belegen, dass isolierte Patienten häufiger unter Angstzuständen und Depressionen leiden. Einige Krankenhäuser reagieren mit digitalen Lösungen: Videotelefonie mit Angehörigen, Tablets mit Unterhaltungsprogrammen oder regelmäßige Besuche von Psychologen im Schutzanzug. Solche Angebote bleiben jedoch die Ausnahme. Experten fordern, dass jede Isolationsentscheidung auch eine psychosoziale Bilanz ziehen muss.

Basishygiene bleibt das Fundament

Die erste Verteidigungslinie gegen Krankenhauskeime ist und bleibt die Händehygiene. Das klingt banal, ist aber nach wie vor eine der größten Herausforderungen. Jede Pflegekraft und jeder Arzt sollte vor und nach jedem Patientenkontakt die Hände desinfizieren. In der Realität sinkt die Compliance jedoch bei hohem Arbeitsdruck. Das Universitätsklinikum Würzburg hat daher untersucht, welche Hygienemaßnahmen tatsächlich am besten schützen.

Demnach reicht es nicht, nur auf Händehygiene zu setzen. Ein wirksames Gesamtkonzept umfasst mehrere Bausteine:

  • Flächendesinfektion von Türklinken, Bettgittern und Nachttischen
  • Konsequente Nutzung von Einmalhandschuhen bei Kontakt mit Körperflüssigkeiten
  • Schulungen und regelmäßige Überprüfungen des Personals
  • Früherkennung von Risikopatienten schon bei der Aufnahme

Die Würzburger Forscher betonen, dass besonders an den Schnittstellen zwischen Stationen und Abteilungen Keime übertragen werden – etwa bei Verlegungen oder physiotherapeutischen Behandlungen. Deshalb müssten alle Berufsgruppen in die Hygieneketten eingebunden werden, nicht nur Pflege und Ärzte.

Neue Erkenntnisse zu VRE – mehr als nur ein Krankenhausproblem

Ein besonders widerspenstiger Erreger ist der Vancomycin-resistente Enterococcus faecium, kurz VRE. Er tritt vor allem auf Intensivstationen und in onkologischen Abteilungen auf, bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem. Eine aktuelle Studie der Prevent-Gruppe hat nun die Übertragungswege von VRE genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Keime werden nicht nur von Mensch zu Mensch weitergegeben, sondern auch über kontaminierte Oberflächen und medizinische Geräte.

Die Forscher empfehlen eine doppelte Strategie: Erstens ein intensiviertes Screening, um Träger frühzeitig zu identifizieren, und zweitens eine gezielte Reinigung der Patientenumgebung mit speziellen sporenabtötenden Mitteln. Standarddesinfektionsmittel wirken gegen VRE nicht immer ausreichend, wie die Studie zeigt. Zudem sollten Patienten mit bekanntem VRE-Nachweis konsequent getrennt werden – auch von anderen Trägern, denn verschiedene Stämme können untereinander Resistenzen austauschen.

Besonders wichtig sei zudem die Einbeziehung von Pflegeheimen, betonen die Autoren. Viele Patienten werden zwischen Klinik und Heim verlegt, und ohne nahtlose Hygienestandards können sich die Keime ungehindert ausbreiten. Einige Bundesländer arbeiten daher an „Hygiene-Koordinatoren“, die beide Einrichtungen betreuen und die Standards angleichen.

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

Die Forschung arbeitet an immer neuen Waffen gegen die resistenten Keime. Dazu gehören Bakteriophagen – Viren, die Bakterien befallen – oder neue Antibiotika mit neuartigen Wirkmechanismen. Bis diese Mittel jedoch breit einsetzbar sind, bleibt die Hygiene der wichtigste Schutzschild. Die Kombination aus klugen Isolationskonzepten, gründlicher Basishygiene und vernetzter Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Heimen könnte die Zahl der Infektionen deutlich senken. Jeder Einzelne kann übrigens auch beitragen: Händewaschen, Desinfektion bei Besuchen und bewusster Umgang mit Antibiotika sind für den Schutz vor Keimen entscheidend – zu Hause und im Krankenhaus.

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