Grippewelle in Ulm: Warum die Maske oft im Schrank bleibt
07. May 2026
Trotz hoher Fallzahlen verzichten viele Menschen auf das Tragen von FFP2-Masken. Eine Umfrage in Ulm zeigt die Gründe.
Die Grippewelle rollt, die Krankenstände steigen – dennoch sieht man auf den Straßen in Ulm nur vereinzelt Menschen mit FFP2-Masken. Eine aktuelle Umfrage vor Ort zeigt: Viele haben die Schutzmaßnahmen aus der Pandemie-Zeit abgehakt und greifen nur noch in Ausnahmefällen zur Maske.
Nachlassende Vorsicht bei steigenden Infektionszahlen
Die Influenza-Fälle in Baden-Württemberg nehmen stark zu. Das Gesundheitsamt in Ulm meldet einen deutlichen Anstieg der Erkrankungen. Doch die Bereitschaft der Bevölkerung, sich mit Masken zu schützen, ist offenbar gesunken. Auf der Straße und in Geschäften sind FFP2-Masken kaum noch zu sehen – selbst in vollen Bussen und Bahnen.
Die Ulmer Bürger nennen verschiedene Gründe für den Verzicht. Viele empfinden die Maske als unbequem oder hinderlich im Alltag. Andere verweisen auf die gesunkene gesetzliche Pflicht und das Gefühl, dass die akute Pandemie vorbei sei. Zudem sorgt die Grippewelle offenbar nicht für dieselbe Besorgnis wie die Corona-Pandemie.
Psychologische Gewöhnung und mangelnde Risikowahrnehmung
Fachleute erklären die Entwicklung mit einer normalen psychologischen Anpassung: Nach der langen Zeit mit strengen Auflagen sehnen sich die Menschen nach Normalität. Die ständige Erinnerung an die Gefahr durch Viren weicht einer gewissen Gleichgültigkeit. Zudem unterschätzen viele das Risiko einer Grippeerkrankung, die vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen gefährlich sein kann.
Einige der Befragten gaben an, sie würden nur dann zur Maske greifen, wenn sie selbst Symptome hätten oder in engem Kontakt zu Risikogruppen stünden. Andere wiederum sehen die Maske als Symbol einer überwundenen Krise, das sie nicht mehr in ihrem Alltag haben möchten.
Öffentliche Einrichtungen und Ärzte appellieren
In Krankenhäusern und Pflegeheimen in Ulm gelten weiterhin Maskenpflichten, und Mediziner raten Risikopatienten dringend zum Tragen von FFP2-Masken in öffentlichen Innenräumen. Auch die Stadtverwaltung erinnert an die Wirksamkeit der Masken, die nicht nur vor Corona, sondern auch vor Grippe und anderen Atemwegserkrankungen schützen.
Doch der Appell scheint nur bedingt zu verfangen. In der Fußgängerzone, in Supermärkten und auch in öffentlichen Verkehrsmitteln sieht man kaum jemanden mit Maske. Das Verhalten der meisten Menschen zeigt: Erst eine akute Bedrohung oder eine neue behördliche Anordnung würde den Maskengebrauch wohl wieder steigern.
Ein schmaler Grat zwischen Eigenverantwortung und Gleichgültigkeit
Die Umfrage in Ulm spiegelt ein gesamtgesellschaftliches Phänomen wider: Nach Jahren der Pandemie sind viele Menschen maskenmüde. Die Entscheidung, eine Maske zu tragen, wird zunehmend privaten Überlegungen überlassen. Ob die laufende Grippewelle das Umdenken bringt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Maske ist da, aber sie bleibt oft im Schrank.