Kampf gegen Krankenhauskeime: Welche Hygienemaßnahmen wirklich helfen
12. June 2026
Multiresistente Erreger wie VRE und MRSA sind eine wachsende Bedrohung in Kliniken. Eine neue Studie und aktuelle Forschungsansätze zeigen, welche Strategien Patienten und Personal schützen können.
Eine stille Gefahr in deutschen Krankenhäusern
Jedes Jahr infizieren sich Hunderttausende Patienten in deutschen Krankenhäusern mit Keimen, die gegen herkömmliche Antibiotika resistent sind. Besonders gefürchtet sind Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) und MRSA. Die Erreger können schwere Wundinfektionen, Blutvergiftungen oder Lungenentzündungen auslösen und sind oft schwer behandelbar. Krankenhäuser stehen daher vor der Herausforderung, wirksame Hygienemaßnahmen zu etablieren, ohne den Klinikalltag zu überlasten.
Eine aktuelle Studie der Universität Würzburg hat nun verschiedene Hygienemaßnahmen systematisch untersucht und verglichen. Ziel war es herauszufinden, welche Strategien die Verbreitung multiresistenter Erreger am effektivsten eindämmen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Nicht alle Maßnahmen sind gleich wirksam. Und manche, die lange als Standard galten, müssen möglicherweise überdacht werden.
Was die PREVENT-Studie zeigt
Die PREVENT-Studie, eine der umfangreichsten Untersuchungen zur Krankenhaushygiene in Deutschland, hat verschiedene Isolations- und Reinigungsprotokolle auf den Prüfstand gestellt. Über mehrere Monate hinweg wurden auf Stationen, auf denen VRE-Ausbrüche aufgetreten waren, unterschiedliche Strategien getestet. Die Forscher verglichen die Häufigkeit von Neuinfektionen unter den jeweiligen Maßnahmen.
Dabei zeigte sich: Die konsequente Einhaltung von Basishygiene wie Händedesinfektion und das Tragen von Schutzkleidung reduzierte die Übertragungsraten deutlich. Entscheidend war jedoch die Disziplin des Personals. „Die Händehygiene bleibt die wichtigste Einzelmaßnahme“, betont ein Krankenhaushygieniker. Die Studie bestätigte auch, dass eine räumliche Isolierung infizierter Patienten in Einzelzimmern die Ausbreitung weiter verlangsamt.
Überraschende Erkenntnisse zur Flächendesinfektion
Ein unerwartetes Ergebnis lieferte der Vergleich verschiedener Desinfektionsmethoden. So war die routinemäßige Desinfektion von Patientenzimmern mit speziellen Sprühverfahren nicht effektiver als die herkömmliche Wischdesinfektion. Entscheidender war die Häufigkeit der Reinigung. Täglich desinfizierte Oberflächen in der Nähe des Patienten senkten das Kontaminationsrisiko signifikant. Auf die richtige Technik kommt es an: Einmalige, gründliche Reinigung nach der Entlassung reicht nicht aus, wenn während des Aufenthalts kontinuierlich Keime auf Oberflächen gelangen.
Neue Strategien gegen multiresistente Erreger
Die Forschung geht noch einen Schritt weiter. Wissenschaftler entwickeln derzeit neuartige Ansätze, die über die klassische Hygiene hinausgehen. Dazu gehören antimikrobielle Beschichtungen für Türklinken und Bettgestelle, die kontinuierlich Keime abtöten. Auch der Einsatz von Bakteriophagen – Viren, die gezielt Bakterien befallen – wird erforscht. Phagen könnten eines Tages eingesetzt werden, um multiresistente Keime auf der Haut von Patienten zu reduzieren, bevor sie in den Körper gelangen.
Ein vielversprechender Weg ist zudem die verbesserte Diagnostik. Schnelltests, die bereits nach wenigen Stunden anzeigen, ob ein Patient mit VRE besiedelt ist, ermöglichen eine frühzeitige Isolation. Bisher dauert der Nachweis meist zwei bis drei Tage. In dieser Zeit können die Erreger unbemerkt auf andere Patienten übergehen.
Was bedeutet das für Patienten?
Patienten und ihre Angehörigen können selbst zur Keimreduktion beitragen. Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- Gründliche Händedesinfektion beim Betreten und Verlassen des Patientenzimmers
- Vermeidung von direktem Kontakt mit Wunden oder Zugängen
- Keine Blumen oder Pflanzen auf dem Zimmer, da sie Keime beherbergen können
- Eigenes Handtuch und Waschlappen verwenden
Mit diesen einfachen Schritten kann jeder das Infektionsrisiko senken. Die Kliniken sind jedoch in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu schaffen: ausreichend Personal, Schulungen in Hygienetechniken und eine durchdachte Isolationsstrategie.
Ein Blick in die Zukunft
Trotz aller Maßnahmen bleibt die Zunahme multiresistenter Erreger eine Bedrohung. Die Weltgesundheitsorganisation stuft resistente Bakterien als eine der größten Gefahren für die globale Gesundheit ein. Deutschland hat 2023 eine nationale Antibiotika-Resistenzstrategie verabschiedet, die unter anderem die Überwachung von Hygienestandards in Kliniken verschärft. Künftig sollen Krankenhäuser ihre Hygienergebnisse regelmäßig veröffentlichen – eine Transparenzoffensive, die den Druck auf Einrichtungen erhöht, ihre Prozesse zu optimieren.
Experten fordern zudem eine Abkehr von der reinen Reaktion auf Ausbrüche. Statt immer nur dann zu handeln, wenn bereits Patienten erkrankt sind, müsse die Prävention gestärkt werden. Dazu gehört auch ein bewussterer Umgang mit Antibiotika. Denn jede Gabe von Antibiotika fördert die Selektion resistenter Keime. Rund ein Drittel aller Verordnungen in Kliniken gelten als unnötig oder falsch dosiert. Hier liegt enormes Potenzial, den Selektionsdruck zu senken und die Entstehung neuer Resistenzen zu verlangsamen.
| Maßnahme | Wirksamkeit | Aufwand |
|---|---|---|
| Händedesinfektion vor/nach Patientenkontakt | Sehr hoch | Gering (Schulung nötig) |
| Einzelzimmerisolation | Hoch | Hoch (Platzbedarf) |
| Tägliche Flächendesinfektion | Hoch | Mittel (Zeitaufwand) |
| Antimikrobielle Beschichtungen | Mittel bis hoch | Mittel bis hoch (Materialkosten) |
| Routinemäßiges Screening | Mittel | Mittel (Laborkapazität) |
Der Kampf gegen Krankenhauskeime ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Jede neu entwickelte Hygienestrategie kann Leben retten. Entscheidend ist, dass die Erkenntnisse aus der Forschung schnell in die Praxis umgesetzt werden. Nur dann kann die Spirale aus Resistenzen und Infektionen durchbrochen werden.
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