Wie Krankenhäuser resistente Keime eindämmen – neue Hygienestrategien im Fokus
14. June 2026
Multiresistente Erreger wie Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) werden in Kliniken zunehmend zur Gefahr. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Maßnahmen wirklich helfen – und warum Standardverfahren oft nicht ausreichen.
Ein stiller Feind auf der Intensivstation
Sie sind unsichtbar, hoch ansteckend und gegen viele Antibiotika resistent: Krankenhauskeime wie VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken) zählen zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin. In den vergangenen Jahren haben die Fallzahlen in deutschen Kliniken deutlich zugenommen. Besonders betroffen sind Intensivstationen und Abteilungen mit immungeschwächten Patienten. Eine aktuelle Forschungsarbeit hat nun untersucht, welche Hygienemaßnahmen die Ausbreitung dieser Erreger am wirksamsten unterbinden.
Die neue Studie: systematischer Vergleich von Maßnahmen
Forschende analysierten Daten aus mehreren Kliniken, um die Effektivität verschiedener Hygieneprotokolle zu vergleichen. Im Fokus standen vor allem Maßnahmen gegen VRE – Erreger, die wegen ihrer hohen Resistenz gegen das Reserveantibiotikum Vancomycin besonders gefürchtet sind. Die Ergebnisse zeigen, dass es nicht die eine perfekte Strategie gibt. Vielmehr kommt es auf ein Bündel an Maßnahmen an, die konsequent und aufeinander abgestimmt umgesetzt werden müssen.
Was wirkt, was nicht?
Zu den untersuchten Maßnahmen zählten: verstärkte Händehygiene, Einzelzimmerisolation von betroffenen Patienten, Schulungen des Personals, gezielte Desinfektionsroutinen und regelmäßige Screening-Untersuchungen. Der Vergleich ergab, dass die Kombination aus Patientenisolation und konsequenter Händedesinfektion die höchste Wirksamkeit erzielt. Isolation allein zeigte hingegen geringere Effekte, wenn nicht gleichzeitig die Reinigungsprotokolle angepasst wurden.
Überraschend für viele Experten: Selbst in Kliniken mit strikten Isolationsmaßnahmen kam es immer wieder zu Übertragungen, wenn die Desinfektion von Patientennähe-Flächen wie Bettgittern, Infusionsständern oder Türgriffen nicht systematisch erfolgte.
Veraltete Leitlinien und neue Herausforderungen
Die Forschung legt offen, dass viele Krankenhäuser noch immer mit Hygienekonzepten arbeiten, die den aktuellen Resistenzen nicht gerecht werden. VRE können auf Oberflächen tagelang überleben. Daher reicht es nicht, nur zu desinfizieren, wenn ein Patient neu aufgenommen wird. Nötig sind regelmäßige Abläufe – auch und gerade auf Stationen ohne aktuelle Ausbrüche.
Praktische Konsequenzen für den Klinikalltag
Aus den Studienergebnissen leiten sich konkrete Empfehlungen ab: Eine enge Verzahnung von Hygiene- und Pflegeteams, feste Desinfektionspläne für alle patientennahen Flächen und mehr Schulungen, die das Verständnis für den Zusammenhang zwischen Pflege und Infektionskontrolle stärken. Zudem empfehlen die Forscher, bei der Aufnahme von Risikopatienten routinemäßig Abstriche zu machen – nicht erst, wenn ein Ausbruch gemeldet wird.
Nicht nur VRE: Das Problem der Multiresistenz
Das Phänomen ist kein Einzelfall. Neben VRE bereiten auch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und MRGN (multiresistente gramnegative Erreger) den Kliniken Sorge. Allen gemeinsam ist, dass sie mit gängigen Antibiotika kaum oder gar nicht mehr zu bekämpfen sind. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt, dass in Deutschland jährlich bis zu 15.000 Menschen an Infektionen mit multiresistenten Erregern sterben – viele davon wären vermeidbar.
Die Studienergebnisse sind deshalb ein dringender Appell, die Hygienekonzepte in Krankenhäusern zu überdenken. Es geht nicht allein um die Einführung neuer Desinfektionsmittel oder teurer Isolierstationen. Entscheidend ist ein Kulturwandel im Umgang mit Keimen: Jeder Handgriff muss neu gedacht werden – von der Klinikleitung bis zum Pflegepersonal.
Was Patienten selbst tun können
Auch Besucher und Patienten tragen zur Keimvermeidung bei. Händedesinfektion vor und nach dem Betreten eines Patientenzimmers sowie das Einhalten von Hygieneregeln sind kein Zeichen von Übervorsicht, sondern gelebter Infektionsschutz. Die Krankenhäuser wiederum müssen dies systematisch ermöglichen – mit ausreichend Spendern, klaren Anleitungen und kontinuierlicher Überwachung.
Hygiene als Daueraufgabe – kein einmaliges Projekt
Die Forschung macht eines deutlich: Es gibt keine schnelle Lösung gegen multiresistente Keime. Die Bekämpfung erfordert ein dauerhaftes Engagement, das alle Ebenen des Klinikbetriebs durchdringt. Die aktuellen Erkenntnisse liefern nun eine fundierte Grundlage, um wirksamere Programme zu entwickeln. Doch die Umsetzung liegt bei den Krankenhäusern selbst – und damit in der Verantwortung von Leitungen, Ärzten und Pflegekräften gleichermaßen.
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