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Gesundheit

Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO sucht Kontaktpersonen

J. Hein

15. June 2026

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Ein Ausbruch des seltenen Andes-Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hat internationale Besorgnis ausgelöst. Die Weltgesundheitsorganisation fahndet nach Passagieren eines Fluges, die möglicherweise Kontakt mit einem Infizierten hatten.

Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO sucht Kontaktpersonen

Ein seltener Hantavirus-Stamm sorgt derzeit für Aufsehen in der internationalen Gesundheitsgemeinschaft. Auf einem Kreuzfahrtschiff wurde der sogenannte Andes-Typ des Virus nachgewiesen, der eine besonders schwere Verlaufsform auslösen kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat umgehend reagiert und sucht nach Passagieren eines Fluges, die möglicherweise Kontakt zu einem Infizierten hatten.

Der Ausbruch auf hoher See

Das Kreuzfahrtschiff, dessen Name nicht offiziell bestätigt wurde, befand sich auf einer Route durch Südamerika, als mehrere Besatzungsmitglieder und Passagiere mit Symptomen einer schweren Atemwegserkrankung in die Krankenstation eingeliefert wurden. Tests ergaben, dass der Andes-Typ des Hantavirus die Ursache war. Dieser Erreger, der normalerweise durch Nagetiere übertragen wird, kann beim Menschen das Hantavirus-Pulmonale-Syndrom (HPS) hervorrufen, eine lebensbedrohliche Lungenkrankheit.

Die Reederei handelte nach eigenen Angaben sofort: Betroffene wurden isoliert, das Schiff desinfiziert und eine Quarantäne an Bord verhängt. Anschließend wurden die Infizierten an Land in spezialisierte Krankenhäuser gebracht. Ein betroffener Patient wurde Medienberichten zufolge in die Düsseldorfer Universitätsklinik verlegt, wo er intensivmedizinisch betreut wird.

WHO in Alarmbereitschaft

Die WHO hat die Kontaktpersonenermittlung auf eine breite Basis gestellt. Besondere Sorge bereitet ein Flugzeug, mit dem möglicherweise Reisende aus der betroffenen Region in verschiedene Länder zurückgekehrt sind. Die Gesundheitsbehörden bitten alle Passagiere dieses Fluges, sich umgehend bei den zuständigen Gesundheitsämtern zu melden. Hintergrund ist die hohe Übertragungsfähigkeit des Andes-Hantavirus, das auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann – anders als andere Hantavirus-Arten, die meist nur von Nagetieren auf Menschen überspringen.

Besonders tückisch: Die Inkubationszeit beträgt bis zu sechs Wochen. Infizierte können also schon unterwegs sein, ohne etwas zu ahnen. Die ersten Symptome ähneln einer schweren Grippe mit Fieber, Gliederschmerzen und Atemnot, bevor sich rasch ein Lungenversagen entwickeln kann.

Wie gefährlich ist der Andes-Typ?

Der Andes-Hantavirus wurde erstmals 1995 in Argentinien entdeckt und gilt als der aggressivste Vertreter seiner Familie mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 40 Prozent. Im Gegensatz zu anderen Hantaviren kann er auch über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen werden, was das Risiko von Ausbrüchen in geschlossenen Räumen wie Flugzeugen oder Kreuzfahrtschiffen erhöht. Die bisher dokumentierten Ansteckungen fanden meist in ländlichen Regionen Südamerikas statt – ein Ausbruch auf einem Schiff ist in dieser Form neu.

Die Reaktion der Behörden in Deutschland

In Deutschland hat das für das betroffene Kontaktmanagement zuständige Gesundheitsamt in Düsseldorf die Arbeit aufgenommen. Der in die Universitätsklinik eingelieferte Patient befindet sich in einem kritischen, aber stabilen Zustand, wie die Klinik mitteilte. Die Ärzte behandeln ihn mit unterstützender Intensivmedizin, da es keine spezifische Therapie gegen das Virus gibt. Impfstoffe sind bislang nicht zugelassen, lediglich experimentelle Ansätze existieren.

Die Behörden haben zudem einen Stufenplan aktiviert: Wer auf demselben Flug wie der Infizierte gereist ist, wird aufgefordert, seine Gesundheit drei Wochen lang genau zu beobachten und bei Symptomen sofort medizinische Hilfe zu suchen. Bisher haben sich Dutzende Passagiere gemeldet, weitere werden jedoch noch gesucht.

Hintergrund: Was ist Hantavirus?

Hantaviren werden normalerweise durch Nagetiere wie Ratten oder Mäuse verbreitet. Der Mensch infiziert sich meist über verunreinigten Staub oder Kotspuren. Die meisten Hantavirus-Infektionen verlaufen mild, doch der Andes-Typ kann schnell eskalieren. Die globale Verbreitung der Viren hängt von der Ökologie der Nagetierwirte ab – in Südamerika sind diese vor allem in ländlichen Gegenden heimisch. Warum das Virus nun auf einem Schiff aufgetaucht ist, untersuchen Epidemiologen noch.

Experten appellieren an Reisende, auf Kontakt zu Nagetieren zu verzichten und Hygieneregeln strikt einzuhalten. Solange kein Impfstoff verfügbar ist, bleibt die Früherkennung die beste Waffe. Wer nach einer Reise in betroffene Gebiete Fieber, Husten oder Atembeschwerden bemerkt, sollte unverzüglich einen Arzt aufsuchen und auf die mögliche Hantavirus-Exposition hinweisen.

Der aktuelle Fall zeigt, wie schnell sich über internationale Verkehrswege Erreger verbreiten können, die lange als regionale Bedrohung galten.

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