Hantavirus: Keine neue Pandemie in Sicht, aber Vorsicht geboten
08. May 2026
Nach einem Fall auf einem Kreuzfahrtschiff und einer Kontaktperson in einer Düsseldorfer Klinik wachsen die Sorgen vor einer Ausbreitung des Hantavirus. Experten geben Entwarnung – und raten dennoch zur Vorsicht.
Ein Hantavirus-Fall auf einem Kreuzfahrtschiff hat für Aufsehen gesorgt. Eine Kontaktperson des erkrankten Crewmitglieds wurde in einer Düsseldorfer Klinik behandelt. Die Nachricht verbreitete sich rasch und weckte Erinnerungen an den Beginn der Corona-Pandemie. Doch wie gefährlich ist das Virus wirklich?
Was ist Hantavirus?
Hantaviren sind eine Gruppe von Viren, die vor allem von Nagetieren wie Mäusen und Ratten übertragen werden. Der Mensch infiziert sich meist durch Einatmen von virushaltigem Staub – etwa beim Reinigen von Schuppen oder Kellern. Die Viren kommen weltweit vor, in Deutschland sind vor allem zwei Typen verbreitet: das Puumala-Virus, das vor allem in Süddeutschland auftritt, und das Dobrava-Belgrad-Virus, das eher im Norden zu finden ist.
Die Symptome einer Hantavirus-Infektion ähneln zunächst einer schweren Grippe: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Fällen kann es zu Lungen- oder Nierenversagen kommen. Die Inkubationszeit beträgt zwei bis vier Wochen.
Panik oder berechtigte Sorge?
Der aktuelle Fall auf dem Kreuzfahrtschiff und die Behandlung einer Kontaktperson in Düsseldorf haben Fragen aufgeworfen: Droht eine neue Pandemie? Experten sind sich einig: Nein. Anders als das Coronavirus ist das Hantavirus nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Die Ansteckung erfolgt ausschließlich über Nagetiere oder deren Ausscheidungen. Selbst enge Kontaktpersonen erkrankter Menschen müssen daher nicht isoliert werden, solange sie nicht denselben Expositionsquellen ausgesetzt waren.
Die Behandlung in der Klinik war deshalb auch nicht aus Infektionsschutzgründen erforderlich, sondern diente der reinen Gesundheitsüberwachung.
Welche Gebiete sind betroffen?
In Deutschland treten Hantavirus-Infektionen vor allem in den Monaten Mai bis Oktober auf. Besonders betroffen sind der Süden und Osten Deutschlands. In Jahren mit starkem Buchenmast – also wenn Buchen viele Früchte tragen – vermehren sich Nagetiere stärker, und die Infektionszahlen steigen. 2024 war ein solches Jahr, die Zahl der gemeldeten Fälle lag bei über 2.000. Zum Vergleich: In normalen Jahren werden etwa 200 bis 300 Fälle registriert.
Im Saarland, in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist das Risiko besonders hoch. Wer in diesen Regionen in Gärten oder Wäldern arbeitet, sollte Schutzkleidung tragen und vor dem Betreten von Räumen mit Nagetierbefall gut lüften.
Wie schützt man sich?
- Keine Lebensmittel oder Müll offen lagern.
- Ritzen und Löcher in Häusern abdichten, um Nagetiere fernzuhalten.
- Beim Reinigen von verschmutzten Räumen Staubmaske und Handschuhe tragen.
- Staub nicht mit Besen oder Staubsauger aufwirbeln, sondern feucht wischen.
Mehrwert: Was bedeutet der Fall für die Schifffahrt?
Der Vorfall auf dem Kreuzfahrtschiff wirft auch ein Licht auf die hygienischen Bedingungen an Bord. Schiffe laufen viele Häfen an, und Nagetiere können über Ladung oder Vorräte eingeschleppt werden. Die Reederei hat umgehend Maßnahmen ergriffen: Desinfektion, Schädlingsbekämpfung und die Isolation des betroffenen Bereichs. Passagiere wurden informiert, aber nicht unter Quarantäne gestellt. Die Gesundheitsbehörden in Düsseldorf haben zudem ein Monitoring aller Kontaktpersonen eingeleitet. Bislang gibt es keine Hinweise auf eine Weiterverbreitung.
Für Kreuzfahrten ist das Hantavirus kein neues Problem; gelegentlich treten Fälle auf. Die Branche hat gelernt, damit umzugehen. Reisende sollten jedoch wachsam sein: Bei Fieber und grippeähnlichen Symptomen nach einer Reise – besonders bei Landgängen in Waldgebieten – sollten sie ihren Arzt auf das mögliche Risiko hinweisen.
Das Hantavirus wird keine Pandemie auslösen. Aber es ist ein guter Anlass, um sich über Schutzmaßnahmen zu informieren und wachsam zu bleiben. Denn die Natur hält bisweilen Überraschungen bereit – und Vorbereitung ist die beste Vorsorge.
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