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Sonntag, der 7. Juni 2026

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Wirtschaft

Warnungen vor Strommangel: Elcom-Präsident verteidigt umstrittene Mahnungen im Rückblick

J. Hein

07. June 2026

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Immer wieder warnte die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) in den vergangenen Jahren vor einer möglichen winterlichen Stromlücke. Jetzt, nach mehreren milden Wintern ohne Engpässe, stellt sich die Frage: Waren die Warnungen übertrieben? Elcom-Präsident Werner Luginbühl bezieht Stellung.

Warnungen vor Strommangel: Elcom-Präsident verteidigt umstrittene Mahnungen im Rückblick

Eine drohende Strommangellage beschäftigte die Schweiz in den Jahren 2022 und 2023 wie kein anderes Thema. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) warnte wiederholt vor einer möglichen Unterversorgung in den Wintermonaten. Nun, da die akute Gefahr vorerst abgeklungen ist, geraten die damaligen Prognosen in die Kritik. Elcom-Präsident Werner Luginbühl stellt sich den Fragen und verteidigt die Warnungen der Behörde.

Eine Frage der Perspektive

Aus heutiger Sicht scheint die Sorge übertrieben: Die Winter waren mild, die Gasspeicher blieben gut gefüllt, und das europäische Stromnetz stabilisierte sich schneller als erwartet. Doch Luginbühl warnt davor, den Rückblick als alleinigen Maßstab zu nehmen. Die Situation sei damals eine gänzlich andere gewesen: Frankreichs Atomkraftwerke fielen aus, die Schweizer Wasserkraftreserven waren unsicher, und der Krieg in der Ukraine heizte die Energiepreise an. „Wir standen vor einer historischen Krise“, betont er. Die Warnungen hätten nicht Panik, sondern Vorsorge auslösen sollen – und genau das sei gelungen.

Lehren aus der Energiekrise

Luginbühl räumt ein, dass einzelne Szenarien nicht eingetroffen seien. Aber, so argumentiert er: Die Vorbereitungen – von der Kampagne zum Energiesparen über den Aufbau von Reservekraftwerken bis hin zur Einführung von Kontingentierungsplänen – hätten die Schweiz resilienter gemacht. „Wir haben gelernt, dass wir auf unerwartete Ereignisse besser vorbereitet sein müssen.“ Die Krise habe gezeigt, wie verletzlich die Stromversorgung tatsächlich sei, selbst in einem hochentwickelten Land wie der Schweiz.

  • Der Bau von Notstromaggregaten und Reservegaskraftwerken wurde beschleunigt.
  • Bund und Kantone entwickelten klare Eskalationsstufen für den Fall einer Mangellage.
  • Die Bevölkerung sensibilisierte sich für das Thema Energieeffizienz.

Die Debatte um die richtige Einschätzung des Risikos werde die Schweiz noch länger begleiten, ist sich Luginbühl sicher. Er plädiert dafür, die Lehren aus der Krise nicht zu vergessen – auch wenn derzeit keine akute Gefahr drohe. „Die nächste Krise kommt bestimmt. Ob es der Strom, das Gas oder etwas völlig anderes ist, wissen wir nicht.“

Strommangel – eine bleibende Herausforderung

Ein Grund zur Entwarnung sei die aktuelle Lage jedoch nicht, betont der Elcom-Präsident. Zwar seien die Reserven in den Stauseen gut gefüllt, doch die strukturellen Probleme der Schweizer Stromversorgung seien nicht gelöst. Der Ausbau der erneuerbaren Energien komme nur schleppend voran, und der Zubau von Speicherkapazitäten für den Winter hinke den Zielen hinterher. „Wir haben eine Atempause gewonnen – aber keine endgültige Sicherheit“, fasst Luginbühl zusammen.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Diskussion um die Glaubwürdigkeit von Warnungen birgt eine Gefahr, so Luginbühl: Dass die Bevölkerung und die Politik die nächste Mahnung nicht mehr ernst nehmen. Er appelliert daher an alle Beteiligten, den Fokus nicht zu verlieren. „Es geht nicht darum, sich selbst zu feiern, sondern um die Fakten: Unser Stromsystem ist anfällig, und wir müssen es fit für die Zukunft machen.“ Die Schweiz stehe vor einem milliardenschweren Investitionsprogramm, das Netzausbau, Solarförderung und Windkraftprojekte umfasse. Doch Entscheidungen bräuchten Zeit – Zeit, die man vielleicht nicht habe.

Ob die Warnungen vor dem nächsten Winter wieder lauter werden, hänge von mehreren Faktoren ab: der Witterung, der europäischen Lage und dem Fortschritt beim Energiewende-Gesetz. Eines sei jedoch klar, so Luginbühl: „Lieber einmal zu viel gewarnt als einmal zu wenig.“

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