Heizungsgesetz auf dem Prüfstand: Ampel plant weitreichende Lockerungen
09. June 2026
Die Koalition will das umstrittene Heizungsgesetz reformieren. Neue Technologien sollen zugelassen, Verbote verschoben und Bio-Heizungen gefördert werden.
Weniger Druck, mehr Freiheit: Neue Richtung beim Heizungsgesetz
Die Bundesregierung plant offenbar eine grundlegende Überarbeitung des im vergangenen Jahr beschlossenen Gebäudeenergiegesetzes. Nach massiver Kritik von Verbrauchern, der Wirtschaft und Teilen der eigenen Fraktion sollen die Vorgaben deutlich entschärft werden. Ziel ist es, den Umstieg auf klimafreundliche Heizungen sozialverträglicher zu gestalten und gleichzeitig die Technologieoffenheit zu erhöhen.
Das bisherige Gesetz sah vor, dass ab 2024 in Neubauten und ab 2026 in Bestandsgebäuden im Wesentlichen nur noch Heizungen eingebaut werden dürfen, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Faktisch bedeutete dies einen starken Vorrang für Wärmepumpen. Doch die hohen Anschaffungskosten, der Mangel an Fachhandwerkern und die unsichere Förderkulisse hatten zu Verunsicherung geführt.
Was sich konkret ändern soll
Nach Informationen aus Koalitionskreisen stehen mehrere Kernänderungen im Raum. Eine zentrale Neuerung ist die Verschiebung des sogenannten Heizungsverbots für fossile Brennstoffe. Ursprünglich sollte ab 2045 der Betrieb von Öl- und Gasheizungen untersagt werden. Nun wird erwogen, dieses Datum zu streichen oder deutlich nach hinten zu verschieben. Stattdessen soll der schrittweise Ausstieg über CO2-Preise und Anreize erfolgen.
Neue Technologien werden zugelassen
Die größte Änderung betrifft die zulässigen Heizungstechniken. Künftig sollen neben Wärmepumpen auch sogenannte Bio-Heizungen eine Rolle spielen. Dabei handelt es sich um Anlagen, die mit biogenen Brennstoffen wie Holzpellets, Hackschnitzeln oder Biomethan betrieben werden. Auch Hybridlösungen, die fossile Brenner mit erneuerbaren Komponenten kombinieren, sollen als Erfüllungsoption gelten. Damit reagiert die Politik auf die Kritik, dass die Wärmepumpe nicht für jeden Gebäudetyp und jede Region gleichermaßen geeignet sei.
Ein weiterer Punkt: Die Übergangsfristen für Bestandsgebäude sollen verlängert werden. Besitzer älterer Häuser sollen mehr Zeit erhalten, um sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. Zudem ist geplant, die Förderung auszuweiten und bürokratische Hürden abzubauen. So sollen Anträge schneller bearbeitet und die Zuschüsse einfacher abgerufen werden können.
Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft
Für Hauseigentümer bedeutet die Reform vor allem eines: mehr Wahlmöglichkeiten. Statt sich zwischen Wärmepumpe und möglicherweise sehr teuren Alternativen entscheiden zu müssen, können sie je nach Gebäudezustand, Lage und finanziellen Möglichkeiten die passende Technik wählen. Das könnte die Akzeptanz der Klimaschutzvorgaben erhöhen.
Die Wirtschaft, insbesondere das Heizungshandwerk, begrüßt die Lockerungen. Viele Betriebe hatten angesichts der Unsicherheit Investitionen zurückgestellt. Mit der Technologieoffenheit können sich nun mehrere Produktlinien etablieren: Wärmepumpen für gut gedämmte Neubauten, Pelletheizungen für ländliche Einfamilienhäuser und Hybridsysteme für sanierte Altbauten.
Kritiker warnen hingegen vor einem Aufweichen der Klimaziele. Sie befürchten, dass viele Verbraucher weiterhin auf fossile Brennstoffe setzen und der Umstieg auf Erneuerbare verzögert wird. Zudem sei die Biomasse nur begrenzt verfügbar und nicht immer klimaneutral. Die Umweltschutzorganisationen fordern daher verbindliche Ausstiegsdaten und eine stärkere soziale Staffelung der Förderung.
Der politische Fahrplan
Die Reform soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Die Federführung liegt beim Bundeswirtschaftsministerium, das einen Gesetzesentwurf vorbereitet. Im Anschluss folgt die parlamentarische Beratung. Ob die Änderungen noch vor der nächsten Bundestagswahl verabschiedet werden können, ist offen. Die Opposition hat bereits angekündigt, eigene Vorschläge einzubringen, die noch weitergehende Erleichterungen vorsehen.
Fest steht: Die Wärmewende wird nicht so radikal und schnell umgesetzt, wie ursprünglich geplant. Die Politik setzt nun auf eine Mischung aus Anreizen, Technologievielfalt und verlängerten Fristen. Ob dies ausreicht, um die Klimaschutzziele im Gebäudesektor zu erreichen, wird sich zeigen müssen. Klar ist, dass die Diskussion um das Heizungsgesetz noch lange nicht beendet ist.
J. Hein
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A. Scholl
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