Elcom-Präsident verteidigt Warnungen vor Strommangel
06. June 2026
Der Präsident der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom) blickt auf die Energiekrise zurück und bekräftigt, dass die befürchtete Strommangellage nur durch glückliche Umstände ausgeblieben sei.
Rückblick ohne Reue
Werner Luginbühl, Präsident der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (Elcom), hat im Rückblick seine damaligen Warnungen vor einer Strommangellage als richtig und notwendig verteidigt. Ohne die frühzeitigen Alarmrufe und die daraufhin ergriffenen Massnahmen, so Luginbühl, hätte die Schweiz im vergangenen Winter tatsächlich vor dem Blackout gestanden. Die Entwarnung, die später von manchen politischen Kräften kam, sei zu kurz gesprungen.
Die kritische Lage sei erst durch eine Verkettung günstiger Zufälle entschärft worden. Milde Temperaturen, volle Gasspeicher in Europa und der Ausbau der erneuerbaren Energien hätten letztlich die akute Gefahr gebannt. Doch die strukturellen Probleme, die Luginbühl und die Elcom seit Jahren anprangerten, seien keineswegs gelöst. Der Strommarkt bleibe anfällig für politische und wirtschaftliche Schocks.
Ein Land am Limit
Die Schweiz war im Winter 2022/2023 so nah an einer Mangellage wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Reserven an elektrischer Energie schrumpften bedrohlich, während die Nachfrage aufgrund der Kälte und der Elektromobilität stieg. Die Landesregierung rief sogar eine ausserordentliche Lage aus – ein Novum in der Schweizer Energiegeschichte. Dass es nicht zum Äussersten kam, lag auch an der Solidarität der Nachbarländer, die trotz eigener Engpässe Strom exportierten.
Luginbühl mahnt nun, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen. Der Ausbau der Wasserkraft, der Windenergie und der Photovoltaik müsse beschleunigt werden. Ebenso nötig sei eine Modernisierung der Stromnetze, um die verteilte Einspeisung aus erneuerbaren Quellen zu bewältigen. Die Politik habe aus der Krise nur halbherzige Konsequenzen gezogen.
Was bleibt von der Krise?
Die Debatte über die Stromversorgungssicherheit hat in der Schweiz zu mehreren Gesetzesinitiativen geführt. So soll das Energiegesetz novelliert werden, mit einem Fokus auf erneuerbare Energien und Netzausbau. Auch die Speicherkapazitäten, etwa durch Pumpspeicherkraftwerke, stehen im Fokus. Doch die Umsetzung stockt, nicht zuletzt wegen der langen Bewilligungsverfahren und des Widerstands von Umweltschutzverbänden.
Ein weiterer Punkt ist die Preisentwicklung. Die Strompreise sind in der Spitze um 30 bis 50 Prozent gestiegen, was Haushalte und Unternehmen belastete. Luginbühl plädiert für eine transparentere Tarifgestaltung und mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Die Elcom werde weiterhin wachsam bleiben.
Ein Appell zur Vorsorge
Der Elcom-Präsident richtet einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung und die Politik. Die wahre Lehre aus der Energiekrise sei nicht, dass sie überbewertet wurde, sondern dass die Schweiz nur mit viel Glück davongekommen sei. Er fordert einen nationalen Energiedialog, der über Parteigrenzen hinweg tragfähige Lösungen erarbeitet. Denn die nächste Krise komme bestimmt – die Frage sei nur, ob das Land dann besser gerüstet sei.
A. Scholl
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