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Freitag, der 12. Juni 2026

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Wirtschaft

VW-Tochter IAV streicht 1.400 Stellen: Besonders Berlin betroffen

Der Autozulieferer IAV plant einen massiven Stellenabbau. Vor allem der Standort Berlin ist betroffen. Die IG Metall kündigt Widerstand an.

VW-Tochter IAV streicht 1.400 Stellen: Besonders Berlin betroffen

Der angeschlagene Autozulieferer IAV, eine Tochter des Volkswagen-Konzerns, hat einen drastischen Sparkurs angekündigt. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen weltweit rund 1.400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Besonders hart trifft es den Hauptsitz in Berlin. Nach Informationen von Mitarbeitern und Gewerkschaft sind dort allein über 1.200 Stellen bedroht.

Hintergrund des Stellenabbaus

IAV ist ein wichtiger Entwicklungsdienstleister für die Automobilindustrie und beschäftigt weltweit etwa 8.000 Mitarbeiter. In Berlin arbeiten rund 5.000 Menschen für das Unternehmen. Der Stellenabbau ist Teil eines umfassenden Restrukturierungsprogramms, mit dem der Konzern auf die schwache Nachfrage nach Elektroautos und die allgemeine Krise in der Automobilbranche reagiert. Die Transformation hin zur E-Mobilität verläuft schleppend, viele Projekte wurden verschoben oder gestrichen. Das trifft IAV direkt, denn das Unternehmen lebt von Aufträgen der großen Hersteller.

Die Geschäftsführung spricht von einer „notwendigen Anpassung an die veränderten Marktbedingungen“. Man wolle den Standort Berlin aber nicht aufgeben, sondern „zukunftsfähig“ machen. Wie das mit einem Abbau von fast einem Viertel der Belegschaft gelingen soll, bleibt fraglich. Betroffen sind vor allem Entwicklungsingenieure und Fachkräfte in der Projektsteuerung.

Reaktionen der IG Metall

Die IG Metall kündigte bereits „massiven Widerstand“ gegen die Pläne an. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft werfen der Unternehmensleitung vor, den Standort systematisch ausbluten zu lassen. „Wir lassen nicht zu, dass die Belegschaft für die Fehler des Vorstands büßen muss“, sagte ein Sprecher. Man fordere ein tragfähiges Zukunftskonzept und den Erhalt aller Arbeitsplätze. Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich sollen in den kommenden Wochen beginnen. Die Gewerkschaft schließt Warnstreiks nicht aus.

Besonders bitter sei die Ankündigung für die vielen jungen Ingenieure, die in den vergangenen Jahren eingestellt wurden, um die E-Mobilität voranzutreiben. „Vielen von ihnen wurde eine langfristige Perspektive versprochen. Jetzt stehen sie vor dem Nichts“, kritisierte der Betriebsrat.

Auswirkungen auf den Standort Berlin

Für Berlin, das sich als Zentrum der Mobilitätswende positioniert hat, ist der Stellenabbau ein schwerer Schlag. Die Stadt hatte in den vergangenen Jahren massiv in die Ansiedlung von Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen investiert. Der Verlust von über 1.200 gut bezahlten Arbeitsplätzen könnte nun negative Folgen für die gesamte Branche in der Region haben. Zulieferer und Dienstleister rund um IAV fürchten um ihre Aufträge. Die Berliner Wirtschaftssenatorin zeigte sich „tief besorgt“ und kündigte Gespräche mit der Unternehmensleitung an. Man werde prüfen, ob Fördermittel zurückgefordert werden können, falls die Auflagen nicht erfüllt würden.

Tarifliche und rechtliche Hürden

Der Stellenabbau bei IAV ist nicht so einfach umsetzbar. Das Unternehmen hat einen Tarifvertrag, der Kündigungen aus betriebsbedingten Gründen ausschließt. Die Geschäftsführung müsste daher entweder einen Sozialplan mit Abfindungen vereinbaren oder einen Interessenausgleich anstreben, der Alternativen zu Entlassungen vorsieht. Dazu gehören etwa Kurzarbeit, Vorruhestandsregelungen oder die Reduzierung von Leiharbeit. Die IG Metall hat bereits angekündigt, jede betriebsbedingte Kündigung gerichtlich prüfen zu lassen.

In der Vergangenheit hat IAV bereits mehrfach Stellen abgebaut, zuletzt im Jahr 2020. Damals wurden rund 600 Arbeitsplätze gestrichen, ebenfalls mit Verweis auf die schwierige Marktlage. Der erneute Kahlschlag zeigt, wie sehr die Branche unter Druck steht. VW selbst hatte bereits im Dezember 2023 ein umfassendes Sparprogramm angekündigt und den Abbau mehrerer tausend Stellen angekündigt. Die Tochter IAV scheint nun nachzuziehen.

Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Für die betroffenen Mitarbeiter beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Viele fragen sich, ob sie in Berlin bleiben können oder ob ein Umzug zu anderen Standorten von IAV im In- oder Ausland infrage kommt. Das Unternehmen hat Standorte unter anderem in Wolfsburg, Chemnitz, Ingolstadt und München. Allerdings wird auch dort nicht im großen Stil eingestellt. Die Gewerkschaft rät betroffenen Beschäftigten, sich frühzeitig über externe Jobmöglichkeiten zu informieren. Der Arbeitsmarkt für Ingenieure ist zwar noch relativ gut, doch viele Unternehmen stellen aktuell verhaltener ein.

Die IG Metall fordert außerdem eine Transfergesellschaft, in die Beschäftigte wechseln können, um sich weiterzubilden oder neu zu orientieren. Die Kosten dafür müsste der Arbeitgeber tragen. Ob sich die Unternehmensleitung darauf einlässt, ist offen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich zäh.

Branchenweite Krise als Auslöser

Der Stellenabbau bei IAV ist kein Einzelfall. Die gesamte Automobilzuliefererbranche leidet unter der schwächelnden Konjunktur, den hohen Energiekosten und der unsicheren Zukunft der Antriebstechnologien. Viele Unternehmen haben bereits Sparprogramme aufgelegt. Zulieferer wie Bosch, Continental oder ZF Friedrichshafen haben in den vergangenen Monaten ebenfalls Tausende Stellen gestrichen angekündigt. Die Umstellung auf E-Antriebe erfordert weniger Arbeitskräfte und andere Qualifikationen, was zu einem Strukturwandel führt, der viele Arbeitsplätze kostet.

IAV steht mit dem Problem nicht allein, aber der Einschnitt ist besonders drastisch. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Krise den Standort Berlin nachhaltig schwächt oder ob die Tarifparteien doch noch eine Lösung finden, die die schlimmsten Folgen abfedert. Eines ist klar: Für die Beschäftigten und die Region ist die Ankündigung ein Schock, der tiefe Spuren hinterlassen wird.

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