IAV streicht 1.400 Stellen: IG Metall droht mit massivem Widerstand
08. June 2026
Die VW-Tochter IAV baut massiv Stellen ab, besonders in Berlin. Die IG Metall kündigt heftigen Widerstand an – und es gibt Spekulationen über einen möglichen Verkauf des Ingenieurdienstleisters.
Der Volkswagen-Konzern verschärft seinen Sparkurs und trifft damit nun auch die hauseigene Ingenieursschmiede IAV. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin will rund 1.400 Stellen streichen, wie am Dienstag bekannt wurde. Besonders hart trifft es den Standort Berlin, wo der Großteil der Arbeitsplätze wegfallen soll. Die Gewerkschaft IG Metall reagierte umgehend und kündigte „massiven Widerstand“ an.
Ein tiefer Einschnitt für die Belegschaft
IAV beschäftigt bundesweit rund 8.000 Mitarbeiter, etwa 5.000 davon in Berlin. Die geplanten Kürzungen bedeuten einen Stellenabbau von rund 17 Prozent. Betroffen sind vor allem Entwicklungsingenieure und IT-Fachkräfte, aber auch administrative Bereiche. Das Unternehmen begründet den Schritt mit der schwierigen Lage in der Automobilindustrie. Die Nachfrage nach Verbrennermotoren sinkt, gleichzeitig stockt der Hochlauf der Elektromobilität. IAV leidet unter ausbleibenden Aufträgen und hohen Kosten.
Für die Beschäftigten in Berlin kommt die Ankündigung dennoch überraschend. Noch vor wenigen Monaten hatte das Unternehmen von einer stabilen Auftragslage gesprochen. Nun stehen viele Mitarbeiter vor einer ungewissen Zukunft. Die IG Metall spricht von einem „schockierenden Schritt“ und wirft dem Management vor, die Belegschaft im Unklaren gelassen zu haben.
Reaktionen aus der Politik
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner nannte die Pläne „bitter für den Standort Berlin“. Er fordert von der Konzernführung ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Tochter. Die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey kündigte an, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen und pocht auf Verhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft. Die IG Metall hat bereits zu einer ersten Protestkundgebung vor dem Hauptsitz in Berlin-Mitte aufgerufen.
Ein möglicher Verkauf als Hintergrund?
Hinter dem Stellenabbau könnte eine strategische Neuausrichtung von Volkswagen stecken. Branchenbeobachter spekulieren, dass der Konzern die Tochter für einen möglichen Verkauf zurechtstutzt. IAV gilt als einer der größten unabhängigen Ingenieurdienstleister der Branche und könnte für andere Autobauer oder Zulieferer interessant sein. Ein Verkauf würde Volkswagen dringend benötigte Liquidität bringen – das Unternehmen kämpft mit Milliardenverlusten und hohen Investitionen in die E-Mobilität.
Die IG Metall sieht darin einen klaren Kurs: „Hier wird ein Unternehmen kaputtgespart, um es dann gewinnbringend zu veräußern“, kritisierte ein Gewerkschaftssprecher. Die Belegschaft befürchtet, dass ein neuer Eigentümer noch tiefer in die Einschnitte gehen könnte. Bislang dementiert Volkswagen offizielle Verkaufspläne, doch die Gerüchte halten sich hartnäckig.
Tarifverhandlungen und mögliche Eskalation
Der Stellenabbau soll sozialverträglich über Abfindungen und Vorruhestandsregelungen erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen sind aber nicht ausgeschlossen. Die IG Metall fordert eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung und ein Investitionsprogramm für neue Technologien. Sollten die Gespräche scheitern, droht die Gewerkschaft mit Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen. Schon in den kommenden Wochen könnte es zu ersten Arbeitskämpfen kommen.
Betroffen ist nicht nur Berlin: Auch an anderen IAV-Standorten wie Wolfsburg, München und Stuttgart sind Stellenstreichungen vorgesehen, wenn auch in geringerem Umfang. Die endgültigen Entscheidungen sollen in den nächsten Monaten fallen. Für die Beschäftigten beginnt eine Zeit der Ungewissheit – und des Widerstands.
A. Scholl
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