Biontech schließt Standorte und streicht Stellen: Bis zu 1860 Arbeitsplätze betroffen
08. June 2026
Der Mainzer Impfstoffhersteller Biontech will zwei deutsche Standorte schließen und Tausende Stellen abbauen. Ein Zeichen für den Wandel nach der Pandemie?
Ein herber Schlag für den Standort Deutschland
Biontech, das Unternehmen, das mit seinem mRNA-Impfstoff gegen Corona weltweit bekannt wurde, kündigt tiefgreifende Einschnitte an. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, sollen gleich zwei deutsche Standorte geschlossen werden. Bis zu 1860 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten ihre Arbeitsplätze verlieren. Betroffen sind demnach vor allem Produktionsstätten, die während der Hochphase der Pandemie errichtet oder umgerüstet wurden.
Was sind die genauen Pläne?
Konkret geht es um die Standorte in Mainz und Marburg. Während die Zentrale in Mainz erhalten bleibt, soll ein Teil der Produktionskapazitäten aufgegeben werden. Auch das Werk in Marburg, das Biontech erst 2020 von Novartis übernommen hatte, steht vor dem Aus. Der Konzern begründet die Entscheidung mit einem drastischen Rückgang der Nachfrage nach Corona-Impfstoffen. Die Welt habe sich von der Pandemie verabschiedet, so ein Sprecher. Nun müsse man sich als Unternehmen neu aufstellen und in andere Bereiche investieren – etwa in die Krebstherapie, die als großes Zukunftsgeschäft gilt.
Sozialplan und Verhandlungen
Die Belegschaft wurde am gestrigen Dienstag in einer Betriebsversammlung informiert. Betriebsrat und Gewerkschaften zeigten sich bestürzt, kündigten aber zeitnahe Verhandlungen über einen Sozialplan an. Man werde sich nicht einfach damit abfinden, dass tausende Jobs vernichtet würden, hieß es in einer ersten Stellungnahme. Die Politik springt ebenfalls ein: Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium hat ein Krisengespräch für die kommende Woche angekündigt.
Ein Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung
Biontech war während der Pandemie zu einem der wertvollsten Unternehmen Europas aufgestiegen. Der Umsatz stieg 2021 auf rund 19 Milliarden Euro – fast ausschließlich dank des Corona-Impfstoffs. Inzwischen sind die Erlöse drastisch eingebrochen. Für das Jahr 2023 meldete der Konzern nur noch etwa 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Zwar arbeitet Biontech mit Hochdruck an neuen Produkten, etwa gegen Krebs und Malaria, doch bis zur Marktreife sind noch Jahre nötig. Bis dahin muss das Unternehmen sparen – und das tut es nun mit dem Stellenabbau.
Branche im Umbruch
Der Schritt ist kein Einzelfall. Auch andere Impfstoffhersteller wie Moderna oder Curevac haben ihre Produktionskapazitäten zurückgefahren. Die Branche erkennt, dass der Boom der Pandemiejahre nicht von Dauer sein würde. Biontech aber hat eine besondere Verantwortung: Das Unternehmen war zum Symbol des deutschen Innovationserfolgs geworden, der in kürzester Zeit einen Impfstoff auf den Markt brachte. Nun zeigt sich, wie schnell solche Erfolge in wirtschaftliche Realitäten zurückfallen können.
Für die betroffenen Beschäftigten beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Viele von ihnen wurden erst in den vergangenen Jahren eingestellt, als Biontech auf dem Höhepunkt seines Erfolgs war. Die Kündigungen kommen für sie besonders überraschend. Der Konzern verspricht, alles zu tun, um die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen so gering wie möglich zu halten. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Experten sehen in dem Schritt auch eine Chance: Biontech fokussiere sich nun auf langfristig profitablere Bereiche wie die Personalisierte Medizin. Das sei wirtschaftlich vernünftig, auch wenn es kurzfristig schmerzhaft sei. Doch für die Region Mainz und Marburg ist der Stellenabbau ein herber Rückschlag. Die Städte hatten sich in den letzten Jahren zu Biotechnologie-Zentren entwickelt. Nun droht eine Abwanderung von Fachkräften, die die gesamte Region schädigen könnte.
Wie geht es weiter?
Biontech will die Standortschließungen bis Ende 2025 umsetzen. Parallel dazu läuft die Entwicklung neuer Therapien auf Hochtouren. Bis Ende des Jahres sollen erste klinische Daten für einen personalisierten Krebsimpfstoff vorliegen. Sollte dieser erfolgreich sein, könnte Biontech wieder in eine Wachstumsphase eintreten. Aber bis dahin müssen sich das Unternehmen und seine Mitarbeiter auf eine Durststrecke einstellen.
J. Hein
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