IG Metall droht mit massivem Widerstand: VW-Tochter IAV streicht 1400 Stellen
10. June 2026
Der VW-Dienstleister IAV baut massiv Stellen ab, vor allem in Berlin. Die IG Metall kündigt heftigen Widerstand an. Hintergrund sind offenbar Verkaufspläne des Mutterkonzerns.
Der Volkswagen-Konzern verschärft seinen Sparkurs: Die hauseigene Ingenieursdienstleistungstochter IAV will rund 1400 Stellen streichen. Besonders hart trifft es den Standort Berlin, wo etwa die Hälfte der Jobs wegfallen soll. Die IG Metall reagierte umgehend und kündigte „massiven Widerstand“ an.
Sparprogramm trifft bisherige Wachstumsbranche
IAV war lange ein wichtiger Entwicklungspartner der Autoindustrie, spezialisiert auf Antriebsstränge, Elektromobilität und Software. Noch vor wenigen Jahren wuchs das Unternehmen kräftig. Nun zeigt sich, dass der Druck auf Zulieferer und Dienstleister enorm zunimmt. „Der Markt hat sich gedreht“, heißt es aus Unternehmenskreisen. Die Auftragslage sei rückläufig, viele Projekte wurden gestrichen oder aufgeschoben.
Offiziell begründet IAV den Stellenabbau mit der Transformation der Branche. Die Umstellung auf Elektroantriebe erfordere weniger Entwicklungspersonal als die Verbrennertechnik. Zudem seien viele Kunden selbst in der Krise und vergäben weniger Aufträge.
Berlin als Schwerpunkt des Abbaus
Vom geplanten Stellenabbau ist vor allem der Standort Berlin betroffen, aber auch andere deutsche IAV-Niederlassungen. In der Hauptstadt arbeiten rund 2000 der insgesamt etwa 7000 Beschäftigten in Deutschland. Die IG Metall Berlin zeigte sich empört. „Wir werden uns nicht kampflos ergeben“, erklärte Bezirksleiter Jan Otto. Man erwarte von der Geschäftsführung ein belastbares Zukunftskonzept, das nicht nur aus Streichungen bestehe.
Die Arbeitnehmerseite befürchtet, dass der Abbau nur der Auftakt für einen Komplettverkauf der Tochter ist. Das Manager Magazin hatte zuvor berichtet, VW bereite IAV auf einen möglichen Verkauf vor. Die aktuellen Sparmaßnahmen würden das Unternehmen für Investoren attraktiver machen.
Reaktionen der Politik
Auch die Berliner Landespolitik schaltete sich ein. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) zeigte sich besorgt und kündigte Gespräche mit der Unternehmensführung an. „Berlin ist ein bedeutender Technologiestandort, wir werden alles tun, um die Arbeitsplätze zu sichern“, ließ sie mitteilen. Die IG Metall fordert ein Moratorium für betriebsbedingte Kündigungen.
Hintergrund: VW-Sparkurs erreicht die Töchter
IAV ist nicht der einzige VW-Betrieb, der unter dem Sparkurs der Konzernmutter leidet. Volkswagen hatte im Dezember 2024 ein umfassendes Sanierungsprogramm angekündigt. Werkschließungen und Massenentlassungen in Deutschland stehen offiziell nicht auf der Tagesordnung, jedoch wurde der Druck auf die Töchter massiv erhöht. IAV soll nach dem Willen der Konzernführung profitabler werden – notfalls durch einen Verkauf.
Das Unternehmen betont, man wolle den Stellenabbau sozialverträglich gestalten. Angebote für Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit sollen die Zahl der betriebsbedingten Kündigungen minimieren. Die IG Metall bezweifelt jedoch, dass dies allein reicht. Sie verlangt eine Beschäftigungsgarantie bis 2027 – und verweist auf die guten Gewinne, die IAV in den Vorjahren erwirtschaftet habe.
Was bedeutet das für die Beschäftigten?
Für die betroffenen Mitarbeiter ist die Situation belastend. Viele von ihnen sind hochqualifizierte Ingenieure und IT-Spezialisten, die in den vergangenen Jahren gezielt angeworben wurden. „Ich habe erst vor zwei Jahren bei IAV angefangen, weil es hieß, die Zukunft sei hier gesichert“, sagt ein Entwicklungsingenieur, der anonym bleiben möchte. „Jetzt steht alles infrage.“
Optionen für die Belegschaft
- Die IG Metall bietet Rechtsberatung und Prozessbegleitung bei Kündigungen an.
- Intern werden Qualifizierungsmaßnahmen und Umschulungen geprüft.
- Die Politik versucht, durch Förderprogramme neue Arbeitsplätze am Standort Berlin zu schaffen.
Dennoch bleibt die Stimmung gedrückt. Der Arbeitsmarkt für Ingenieure hat sich abgekühlt, viele Unternehmen stellen selbst zurück. Eine schnelle Vermittlung in neue Jobs ist daher unwahrscheinlich.
Ausblick: Wird IAV verkauft?
Die Spekulationen über einen Verkauf von IAV halten an. Interessenten aus dem In- und Ausland sollen bereits sondiert haben. Die IG Metall warnt davor, das Unternehmen zu schleudern. „IAV hat hohe technische Kompetenz, das darf nicht verscherbelt werden“, so Jan Otto. Der Konzern hingegen betont, es gebe aktuell keine konkreten Verkaufspläne – was Gewerkschafter als reine Taktik werten.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der angekündigte Widerstand der IG Metall Wirkung zeigt. Betriebsversammlungen und Aktionen sind bereits geplant. Die Tarifparteien treffen sich in Kürze zu ersten Gesprächen. Sollte es keine Einigung geben, drohen Warnstreiks bei IAV – und damit zusätzliche Belastungen für den ohnehin strauchelnden VW-Konzern.
J. Hein
vor 1 Tag
J. Hein
vor 4 Wochen
J. Hein
vor 1 Monat
A. Scholl
vor 4 Tagen
J. Hein
vor 1 Monat
A. Scholl
vor 5 Tagen