Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO meldet drei Todesfälle
09. May 2026
Auf der „MV Hondius“ sind drei Besatzungsmitglieder an einer Hantavirus-Infektion gestorben. Die WHO untersucht, ob das Virus erstmals von Mensch zu Mensch übertragen wurde.
Drei Todesfälle auf einem Kreuzfahrtschiff
Ein ungewöhnlicher Krankheitsausbruch erschüttert die Kreuzfahrtbranche: An Bord des Expeditionsschiffs „MV Hondius“ sind drei Besatzungsmitglieder an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte die Todesfälle und entsandte ein Expertenteam, um die genauen Umstände zu klären. Das Schiff, das sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs vor der Küste Norwegens befand, wurde unter Quarantäne gestellt.
Hantaviren werden normalerweise durch Nagetiere übertragen – etwa durch den Kontakt mit deren Ausscheidungen. Bei Menschen lösen sie zum Teil schwere Erkrankungen aus, die mit Fieber, Atemnot und Nierenversagen einhergehen können. In Europa kommen vor allem zwei Typen vor: das Puumala-Virus, das meist mildere Verläufe zeigt, und das gefährlichere Dobrava-Virus. Welcher Erreger in diesem Fall die Todesfälle verursacht hat, wird derzeit noch analysiert.
Bislang galt keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung
Bisher gingen Mediziner davon aus, dass Hantaviren nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragbar sind. Die Infektion erfolgt fast ausschließlich über den Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen – etwa beim Reinigen von Schuppen oder beim Einatmen von erregerhaltigem Staub. Ein Wissenschaftler, der zur Situation befragt wurde, erklärt jedoch: „Sollte sich bestätigen, dass sich die Besatzungsmitglieder untereinander angesteckt haben, wäre das eine Sensation.“ Die WHO prüft diese Möglichkeit nun mit Hochdruck.
Sollte sich tatsächlich eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachweisen lassen, hätte dies weitreichende Konsequenzen. Bislang wurde eine solche Übertragung nur bei einem südamerikanischen Hantavirus-Typ (Andes-Virus) dokumentiert. Der Ausbruch auf der „MV Hondius“ könnte also bedeuten, dass die Viren ihre Eigenschaften verändert haben – oder dass ein bisher unbekannter Subtyp im Spiel ist.
Die Lage an Bord
Das Schiff liegt derzeit in einem norwegischen Hafen, die verbliebenen 50 Besatzungsmitglieder und 30 Passagiere befinden sich in Isolation. Die norwegischen Gesundheitsbehörden haben eine Überwachung angeordnet und führen tägliche Tests durch. Bislang wurden keine weiteren schweren Erkrankungen gemeldet. Die ersten Symptome waren Anfang Mai aufgetreten: Bei mehreren Crew-Mitgliedern wurden plötzlich hohes Fieber, Muskelschmerzen und Atembeschwerden festgestellt. Trotz sofortiger medizinischer Hilfe verstarben drei Betroffene innerhalb weniger Tage.
- Erste Symptome: Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Durchfall
- Schwerer Verlauf: Lungenversagen, Nierenversagen, Kreislaufschock
- Inkubationszeit: 2–4 Wochen, manchmal kürzer
Wie gefährlich ist Hantavirus für den Menschen?
Hantavirus-Infektionen verlaufen bei der Mehrzahl der Betroffenen mild oder sogar symptomlos. Schwere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder bei bestimmten Virus-Typen auf. In Europa werden jährlich einige Hundert Fälle gemeldet, vor allem aus ländlichen Regionen. Die Todesfälle auf der „MV Hondius“ sind daher eine seltene, aber ernste Entwicklung.
Experten betonen, dass die Allgemeinbevölkerung derzeit kein Grund zur Panik hat. Es ist nicht bekannt, dass Passagiere oder Besatzungsmitglieder während der Kreuzfahrt Kontakt mit Nagetieren hatten. Die Frage sei nun, wie das Virus an Bord gelangte und ob eine Übertragungskette innerhalb der Crew möglich ist. Die WHO hat Blutproben aller Betroffenen zur genetischen Analyse eingeschickt. Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet.
Reaktionen der Reederei und Reisehinweise
Die Reederei Oceanwide Expeditions, Betreiberin der „MV Hondius“, hat die Kreuzfahrtsaison vorerst ausgesetzt. In einer Mitteilung erklärte das Unternehmen, dass die Gesundheit von Crew und Gästen oberste Priorität habe. „Wir arbeiten eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen, um die Situation zu klären und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, hieß es. Die ursprünglich geplanten Reisen nach Spitzbergen und Island wurden abgesagt. Reisende erhalten eine vollständige Rückerstattung.
Schutzmaßnahmen im Alltag
Für Menschen an Land gelten weiterhin die bekannten Vorsichtsregeln: Beim Reinigen von Kellern, Schuppen oder Dachböden sollte man Schutzkleidung tragen, insbesondere eine FFP2-Maske. Tote Nager sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden. Wer nach Kontakt mit Nagetieren grippeähnliche Symptome entwickelt, sollte einen Arzt aufsuchen und auf den möglichen Kontakt hinweisen. In Deutschland wird jährlich eine hohe dreistellige Zahl von Fällen gemeldet. Besonders betroffen sind Regionen mit starker Nagetierpopulation.
| Region | Häufigkeit (pro Jahr) | Häufigster Typ |
|---|---|---|
| Skandinavien | 50–100 | Puumala |
| Deutschland | 200–500 | Puumala, Dobrava |
| Südeuropa | 100–300 | Dobrava |
Die aktuellen Ereignisse zeigen, wie dynamisch die Gefährdungslage durch Zoonosen sein kann. Die WHO hat eine Taskforce eingerichtet, die den Ausbruch auf der „MV Hondius“ überwacht und die globalen Gesundheitsbehörden über neue Erkenntnisse informieren soll. Für Reisende empfiehlt das Auswärtige derzeit keine konkreten Beschränkungen, rät aber zu erhöhter Achtsamkeit bei Kreuzfahrten in nordeuropäischen Gewässern.
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