Erwachsene können selbst entscheiden, ob sie sich ein Ohrloch oder mehrere stechen lassen – vor allem Babys und Kleinkinder können das nicht. In manchen Kulturkreisen ist es Tradition, dass bereits die Jüngsten Ohrlöcher bekommen. Für Diskussion sorgte 2018 ein Fall in der Promiwelt: Kloé Kardashian hatte ihrer damals knapp zwei Monate alten Tochter Ohrlöcher stehen lassen.

Ist Ohrloch stechen bei Babys und Kindern verboten?
Wissenschaftlich unstrittig ist, dass auch schon Babys Schmerz fühlen. Rein rechtlich ist das Ohrlochstechen – unabhängig vom Alter – keine Körperverletzung. Ausnahme: Das Stechen wird unsachgemäß durchgeführt.

Denn das entspricht nicht der Einwilligung der Person, die ein Ohrloch bekommt, bzw. der Einwilligung der Sorgeberechtigten. Fraglich ist in diesem Zusammenhang allerdings, wer generell einwilligen muss beziehungsweise ab welchem Alter ein Kind einwilligen kann.

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Die Mitglieder vom deutschen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., kurz: BVKJ, raten seit Jahren davon ab, Babys und Kleinkindern Ohrlöcher stechen zu lassen – zum einen, weil dieser Eingriff in den Körper ohne Zustimmung des Kindes erfolgt, also juristisch bedenklich ist (siehe das eben Geschilderte), und zum anderen, weil es gesundheitliche Risiken gibt.

Ohrlochstechen bei Babys und Kindern: Entzündungen, Allergie und Verletzungen
„Die Ohrlöcher können sich entzünden und wir sehen häufig, dass die Ohrringe komplett in das Ohrläppchen einwachsen und es sich verdickt, rot wird oder eitert“, berichtet Dr. Jakob Maske in diesem Artikel. Er ist Kinderarzt und Bundespressesprecher des BVKJ. „Zudem kommt es immer wieder zu Kontaktallergien durch Nickel, das häufig in günstigeren Ohrringen enthalten ist“, so Maske weiter.

Ohrringe stellen außerdem eine Verletzungsgefahr dar, zum Beispiel beim Spielen oder Herumtollen. „Kommt es zu Abrissverletzungen, können sich auch diese entzünden.“ Der Verbandskinderarzt gibt zu bedenken, dass Verletzungen und Entzündungen dann narbig verheilen können, wodurch das betroffene Ohrläppchen „für immer“ entstellt werde.