Bisher hat die tschechische Gesundheitsbehörde 440 an Hepatitis-A erkrankte Patienten registriert. Allein 62 davon kamen in der vergangenen Woche hinzu. "Wir haben momentan dutzende Verdachtsfälle registriert, so dass sich die Zahl der Infizierten sogar schon in den nächsten Tagen erhöhen kann", so Michael Vit vom Gesundheitsamt in Prag.

Schon jetzt werden Betten und Impfstoff knapp. Die Erkrankten wurden bereits auf Kliniken im ganzen Land verteilt. In der Hauptstadt richten Mitarbeiter eines Krankenhauses zur Zeit ein unterirdisches Not-Lazaret in einem dreistöckigen Bunker ein. Dieser stammt noch aus der Zeit des kalten Kriegs.

Sollte die Lage sich weiterhin verschlimmern stehen bereits 50 Betten zur Verfügung. Jaroslav Hora vom Krisenstab des Krankenhauses: "Das ist die Variante für den Notfall, wenn die Betten anderswo nicht mehr ausreichen. Hoffentlich werden wir das nicht brauchen, aber es ist immer wichtig, auf alles vorbereitet zu sein."

Zur Versorgung der Bevölkerung wird zusätzlicher Impfstoff aus dem Ausland aufgekauft. Die Verwendung von speziellen Desinfektionsmitteln soll vorerst die weitere Verbreitung in Schulen und Kindergärten verhindern.

Wie es zu dieser Erkrankungswelle kam ist bisher unklar. Naheliegend wäre ein Zusammenhang mit einer Gelbsucht-Welle die es im Sommer in der

Prager Drogenszene gab. Von den Drogensüchtigen könnte sich die Infektion auf die übrige Prager und tschechische Bevölkerung ausgebreitet haben.

Eine andere Möglichkeit wäre die Verbreitung von Hepatitis-A durch Auslandsreisende. Fest steht, es ist die schlimmste Infektionswelle in Tschechien seit den 70er Jahren.