Das Kneippen ist seit 2015 „Immaterielles Kulturerbe“ laut der UNESCO, also der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, die in Deutschland Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur genannt wird.

Der „Begriff“ Kneippen verweist auf Sebastian Kneipp: Er war nicht nur römisch-katholischer Priester, sondern auch Hydrotherapeut und Naturkundler. Die nach ihm benannten Wasseranwendungen wurden nicht von ihm entwickelt, allerdings populär gemacht. Das Thema Ernährung spielte in seinem Wirken ebenfalls eine große Rolle – zwei Säulen der sogenannten Ordnungstherapie.

Kneipp litt als Student an einem Lungenleiden, vermutlich Tuberkulose. Durch Lektüre eines Buchs über Wassertherapie und daraufhin erfolgtem mehrfachem Baden in der eiskalten Donau, heimischen Halbbädern und Wassergüssen habe er sich, nach eigenen Angaben, geheilt.

Wasser-Wirkung: Was passiert beim Kneippen?
Die öffentlichen Kneipp-Anlagen ermöglichen das Wassertreten. Dabei watet jemand im Storchengang durchs Wasser, bis ein Kältegefühl einsetzt, was nach etwa einer bis zwei Minuten der Fall ist. Dann heißt es raus aus dem Wasser, Füße trocknen und warm anziehen.

Die Wirkung des Kneippens beruht auf Temperaturgegensätzen: Durch kalte oder warme Wassergüsse und kalt-warmes Wechselduschen entstehen Reize auf der Haut. Das regt die Durchblutung an und trainiert die Blutgefäße, Kreislauf und Immunsystem werden gekräftigt.

Kneipp-Kur für Zuhause
Wer im Bad eine Dusche beziehungsweise eine Badewanne mit beweglichem Duschkopf hat, der kann im Wechsel warm und kalt duschen. Das Wichtigste ist, immer mit einem kalten Guss aufzuhören, damit sich die Blutgefäße wieder zusammenziehen. Für ein Armbad kommt kaltes Wasser ins Waschbecken: Arme bis zur Mitte des Oberarms eintauchen, bis Kälte spürbar ist.

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Für einen Knieguss sollte der Duschkopf abgeschraubt werden: Am rechten kleinen Zeh damit beginnen, den kalten Wasserstrahl auf der Rückseite des Beins über die Wade bis zur Kniekehle zu führen und dort einige Sekunden kreisen lassen. Dann den Wasserstrahl über die Innenseite des Unterschenkels bis zur Ferse führen. Das Gleiche beim linken Bein wiederholen und dann bei den Vorderseiten, wobei der Strahl abführend über die Unterschenkel-Außenseite geführt wird. Ganz zum Schluss: rechte und linke Fußsohle begießen.

Achtung: Nicht kneippen bei offenen Wunden oder bei Vorliegen einer arteriellen Verschlusskrankheit. Im Zweifel beim Hausarzt oder die Hausärztin nachfragen, ob eine Anwendung von Kneipp-Maßnahmen möglich ist.