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Freitag, der 12. Juni 2026

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Wirtschaft

Curevac-Aus in Tübingen: Bitterer Rückschlag für deutsche Impfstoffproduktion

Der Tübinger Impfstoffhersteller Curevac gibt auf – und reißt eine tiefe Wunde in die deutsche Pharmalandschaft. Während Mitarbeiter fassungslos sind, warnen Experten vor gefährlichen Abhängigkeiten von ausländischen Produzenten.

Curevac-Aus in Tübingen: Bitterer Rückschlag für deutsche Impfstoffproduktion

Es war ein Schock, der durch Tübingen hallte: Curevac, einst Hoffnungsträger der deutschen Impfstoffforschung, stellt seine Produktion ein. Für viele Mitarbeiter bricht eine Welt zusammen. „Es ist so bitter“, sagte ein Angestellter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die Stimmung im Unternehmen sei gedrückt, die Zukunft ungewiss.

Warum der Rückzug so schmerzt

Der Schritt von Curevac kommt nicht überraschend, aber dennoch hart. Das Unternehmen hatte schon länger mit Verzögerungen und Misserfolgen zu kämpfen, nachdem der eigene Impfstoff im Rennen um die Zulassung gegen die Konkurrenz von Biontech und Moderna den Kürzeren gezogen hatte. Doch die endgültige Aufgabe der Produktion in Deutschland hinterlässt eine Lücke, die nicht einfach zu füllen ist.

Dabei geht es um weit mehr als nur einen gescheiterten Impfstoff. Es geht um die Frage, ob Deutschland und Europa in einer nächsten Pandemie wieder von Importen abhängig sein wollen. Die Curevac-Pleite ist ein Weckruf.

Folgen für die Versorgungssicherheit

Bereits jetzt warnen Experten vor Versorgungsengpässen, sollte es erneut zu einer Gesundheitskrise kommen. Die Produktionskapazitäten für innovative mRNA-Impfstoffe in Deutschland schrumpfen dramatisch. Biontech, der andere große Hersteller, hatte zuvor ebenfalls angekündigt, seine Produktion in Deutschland zurückzufahren. Auch das Unternehmen begründet dies mit fehlender Planungssicherheit und schwankender Nachfrage.

Die Bundesregierung steht damit vor einem Dilemma. Einerseits will man nicht auf Vorrat produzieren, der teuer eingelagert und später vernichtet werden müsste. Andererseits kann eine schnelle Skalierung der Impfstoffproduktion im Ernstfall Wochen oder Monate dauern – Zeit, die in einer Pandemie nicht vorhanden ist.

Kritik an der Standortpolitik

Der Rückzug von Curevac und Biontech aus Deutschland hat eine öffentliche Debatte über die Pharmastandortpolitik entfacht. Branchenverbände und Politiker fordern eine grundlegende Neuausrichtung: „Wir brauchen Anreize für Unternehmen, in Deutschland zu produzieren“, heißt es. Bürokratische Hürden, hohe Energiekosten und fehlende steuerliche Vorteile machten den Standort zunehmend unattraktiv.

Doch es geht nicht nur um die Hersteller selbst. Auch die Zulieferer betrifft der Einbruch. In Tübingen und Umgebung stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel, die direkt oder indirekt mit Curevac verbunden sind. Die wirtschaftlichen Folgen für die Region seien noch nicht absehbar, betont die örtliche Industrie- und Handelskammer.

Wie es weitergehen könnte

Um die Versorgung künftig zu sichern, wird jetzt über eine stärkere staatliche Beteiligung an Impfstoffproduktionen nachgedacht. Die Idee: Der Staat könnte als Käufer und langfristiger Partner auftreten, um Unternehmen Planungssicherheit zu geben. Auch der Aufbau einer europäischen Impfstoffreserve wird diskutiert – ein Lager, das schnell aktiviert werden kann, ähnlich wie die strategischen Ölreserven.

Klar ist: Das Curevac-Aus ist ein Wendepunkt. Es zwingt Politik und Wirtschaft, sich endlich der Frage zu stellen, wie viel Eigenständigkeit ihnen die Gesundheit der Bevölkerung wert ist. Die Antwort darauf sollte nicht nur aus finanziellen Erwägungen bestehen, sondern aus einer strategischen Perspektive, die auch die nächste Krise im Blick hat.

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