IW senkt Konjunkturprognose für 2026: Deutsche Wirtschaft vor schwierigem Jahr
10. May 2026
Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet für 2026 nur noch mit einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Hohe Energiepreise und strukturelle Probleme belasten die Unternehmen.
Die deutsche Wirtschaft steckt in der Krise. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Prognose für das Jahr 2026 deutlich nach unten korrigiert. Statt eines moderaten Aufschwungs erwartet der Kölner Thinktank nun nur noch ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Noch im Herbst war das Institut von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen.
Energiepreise als Wachstumsbremse
Ein wesentlicher Grund für den gedämpften Ausblick sind die anhaltend hohen Energiepreise. Zwar sind die Kosten für Strom und Gas nach dem Schock des Jahres 2022 wieder etwas gesunken, doch im internationalen Vergleich bleiben sie auf einem sehr hohen Niveau. Besonders energieintensive Industrien wie die Chemie- oder Stahlbranche leiden darunter. Viele Unternehmen haben ihre Produktion gedrosselt oder verlagern sie ins Ausland. Die IW-Ökonomen warnen vor einer Deindustrialisierung, die langfristig Arbeitsplätze und Wohlstand gefährdet.
Hinzu kommen strukturelle Probleme: Der Fachkräftemangel wird immer drückender, die Bürokratie nimmt zu und die Digitalisierung hinkt hinterher. Die Ampel-Koalition habe zwar einige Maßnahmen auf den Weg gebracht, doch diese zeigten bislang kaum Wirkung, so die Kritik des IW. Die Unternehmen forderten dringend Entlastungen – sowohl bei den Energiekosten als auch bei den Steuern und Abgaben.
Schwächelnde Exporte belasten zusätzlich
Nicht nur im Inland läuft es schlecht, auch die Exporte schwächeln. Die globale Nachfrage hat sich abgekühlt, insbesondere aus China kommen weniger Orders. Die deutschen Autobauer und Maschinenbauer bekommen dies deutlich zu spüren. Zwar konnten einige Firmen in den USA und anderen Märkten zulegen, aber den Rückgang aus Fernost können sie nicht kompensieren. Das IW rechnet deshalb für 2026 mit einem Rückgang der Exporte um 1,5 Prozent.
Konsum als Stütze – aber nicht stark genug
Ein Lichtblick ist der private Konsum. Dank steigender Löhne und einer moderaten Inflation haben die Verbraucher wieder etwas mehr Geld in der Tasche. Die Sparquote ist zuletzt gesunken, viele Menschen geben ihr Geld lieber aus als es auf die hohe Kante zu legen. Das stützt die Binnenwirtschaft. Doch allein kann der Konsum den Aufschwung nicht stemmen. Die Investitionstätigkeit der Unternehmen bleibt schwach, weil die Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft groß ist.
Inflationsentwicklung und Geldpolitik
Die Inflation dürfte nach Einschätzung des IW im kommenden Jahr weiter zurückgehen, aber auf einem Niveau von knapp über zwei Prozent verharren. Das klingt harmlos, ist es aber nicht, denn gerade bei Dienstleistungen und Mieten steigen die Preise weiter kräftig. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angesichts der schwachen Konjunktur bereits signalisiert, die Zinsen behutsam senken zu wollen. Ob dies jedoch ausreicht, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, bleibt fraglich.
Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?
Der Arbeitsmarkt zeigt sich bislang noch robust. Die Arbeitslosigkeit ist mit rund 2,8 Millionen im Jahresdurchschnitt zwar etwas höher als im Vorjahr, aber gemessen an der konjunkturellen Schwäche noch immer vergleichsweise niedrig. Die Kurzarbeit hat zugenommen, und viele Firmen bauen Stellen ab, vor allem in der Industrie. Die IW-Forscher rechnen mit einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über drei Millionen im Jahr 2026. Besonders betroffen sind gering qualifizierte Beschäftigte und Leiharbeiter.
Hintergrund: Warum die Prognose so stark gesenkt wurde
Das IW nennt mehrere Faktoren für die drastische Korrektur:
- Die Energiekrise ist nicht überwunden, die Preise bleiben hoch.
- Die Weltwirtschaft schwächelt, die Exporte brechen ein.
- Die deutsche Wirtschaft leidet unter strukturellen Problemen wie Fachkräftemangel und Bürokratie.
- Die Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik der Regierung belastet die Investitionsbereitschaft.
- Die geopolitischen Risiken wie der Krieg in der Ukraine und die Spannungen mit China sind unvermindert hoch.
Ausblick: Kein Aufschwung in Sicht
Die IW-Ökonomen sehen für die kommenden Jahre ebenfalls keine schnelle Besserung. Für 2027 erwarten sie lediglich ein Wachstum von 1,0 Prozent – zu wenig, um die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Die deutsche Wirtschaft, einst der Motor Europas, droht zum Schlusslicht zu werden. Ohne entschlossene Reformen, so das Fazit des IW, werde es nicht gelingen, die Trendwende herbeizuführen. Die neue Bundesregierung nach der Bundestagswahl im Februar 2025 steht vor einer Herkulesaufgabe. Sie muss die Wirtschaft entlasten, gleichzeitig aber die Schuldenbremse einhalten und die Transformation zur Klimaneutralität vorantreiben. Ob das gelingen kann, ist fraglich. Klar ist: Die Luft wird dünner für die deutsche Wirtschaft.
A. Scholl
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