Bluesky zeigt Blocklisten: Mehr Transparenz in der Moderation
06. June 2026
Das soziale Netzwerk Bluesky erweitert seine Moderationsfunktionen: Nutzer können nun einsehen, wen sie blockiert haben und von wem sie blockiert wurden.
Bluesky, das dezentrale Kurznachrichtennetzwerk, hat eine neue Funktion eingeführt, die mehr Transparenz in die Blockierpraxis bringt. Ab sofort können Nutzer nicht nur ihre eigene Blockliste einsehen, sondern auch erfahren, von welchen Accounts sie selbst blockiert wurden. Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung für die Nutzerkontrolle.
Wie die neue Blocklisten-Funktion funktioniert
Bislang war es auf Bluesky nur möglich, einzelne Accounts zu blockieren – ein Überblick fehlte. Mit dem Update finden Nutzer in den Einstellungen unter „Moderation“ einen neuen Punkt „Blockierte Konten“. Dort werden alle blockierten Profile aufgelistet, sortiert nach dem Datum der Blockierung. Ein Klick auf einen Eintrag öffnet das Profil und bietet Optionen wie „Entblocken“ oder „Melden“.
Noch überraschender ist die zweite Neuerung: Unter „Blockiert von“ erscheint eine Liste der Accounts, die den eigenen Account blockiert haben. Zwar lassen sich die Profile nicht direkt einsehen – sie werden als anonyme Einträge angezeigt –, aber die reine Information, dass eine Blockade vorliegt, kann helfen, Missverständnisse zu klären oder toxische Interaktionen zu erkennen.
Datenschutz und Grenzen
Die Anzeige blockierender Accounts erfolgt anonymisiert, um die Privatsphäre der blockierenden Person zu schützen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Funktion dazu führen könnte, dass Nutzer versuchen, blockierte Profile über Umwege zu kontaktieren. Bluesky betont, dass die Liste nur für den eigenen Account sichtbar ist und keine Rückschlüsse auf die Identität der blockierenden Person zulässt.
Warum diese Funktion wichtig ist
In sozialen Netzwerken war die Blockierfunktion lange eine Blackbox. Wer blockiert wurde, erfuhr davon oft nur indirekt, etwa wenn plötzlich keine Interaktion mehr möglich war. Bluesky geht hier einen anderen Weg: Die Offenlegung der Blockade – zumindest der Tatsache, dass sie existiert – schafft Klarheit. Nutzer können so besser einschätzen, ob ihr Verhalten auf Ablehnung stößt oder ob sie selbst in einem toxischen Umfeld agieren.
Ein weiterer Vorteil: Die neue Ansicht hilft dabei, die eigene Blockierpraxis zu überprüfen. Wer beispielsweise aus einer emotionalen Reaktion heraus jemanden blockiert hat, kann die Entscheidung später überdenken. Die Liste ist chronologisch sortiert und erleichtert so das Wiederfinden alter Blockaden.
Einordnung in die Entwicklung von Bluesky
Bluesky positioniert sich als Gegenentwurf zu zentralisierten Plattformen wie X (ehemals Twitter). Die neuen Funktionen unterstreichen diesen Anspruch: Mehr Kontrolle für den Nutzer, mehr Transparenz bei Moderationsentscheidungen. Im Vergleich zu X, wo Blocklisten nur rudimentär einsehbar sind, setzt Bluesky auf Offenheit. Allerdings fehlen noch Funktionen wie kollektive Blocklisten, wie sie etwa auf Mastodon existieren, um organisierte Belästigungen zu unterbinden.
Die Einführung der Blocklisten-Ansicht ist ein weiterer Schritt in Richtung einer nutzerzentrierten Moderation. Ob sich das Konzept bewährt, wird sich zeigen – der Ansatz verdient aber Aufmerksamkeit.
A. Scholl
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J. Hein
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