Millionen Babyboomern droht im Alter Wohnarmut
09. June 2026
Eine neue Studie warnt: 5,1 Millionen Menschen aus der Generation der Babyboomer sind von Wohnarmut im Alter bedroht. Besonders prekär ist die Lage in einem Bundesland.
Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer nähern sich dem Rentenalter – und viele von ihnen blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Einer aktuellen Berechnung zufolge sind rund 5,1 Millionen Menschen aus dieser Generation von Wohnarmut bedroht. Das bedeutet, dass sie nach Abzug der Miete weniger als 800 Euro im Monat zur Verfügung haben.
Eine wachsende soziale Schieflage
Die Zahl der von Wohnarmut betroffenen Babyboomer ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Lebten 2015 noch rund 3,8 Millionen Menschen dieser Altersgruppe in prekären Wohnverhältnissen, so sind es heute bereits 5,1 Millionen. Das entspricht einem Anstieg von mehr als einem Drittel. Besonders hart trifft es Nordrhein-Westfalen. In dem bevölkerungsreichsten Bundesland ist die Situation für viele ältere Menschen besonders angespannt.
Die Ursachen sind vielfältig. Viele Babyboomer haben nur geringe Rentenansprüche erworben, etwa weil sie lange Jahre in Teilzeit gearbeitet oder Phasen der Arbeitslosigkeit erlebt haben. Hinzu kommen steigende Mietpreise, die vor allem in Ballungszentren viele ältere Menschen an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten bringen.
Die Rolle der Rente
Ein zentraler Faktor ist die Höhe der gesetzlichen Rente. Laut dem Bericht droht 5,1 Millionen Babyboomern eine Rente von unter 800 Euro im Monat. Wer dann noch eine hohe Miete zahlen muss, dem bleibt kaum Geld für Lebensmittel, Kleidung oder Gesundheitsausgaben. Die Altersarmut ist hier nur einen Schritt entfernt. Gerade in Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten reicht die Rente oft nicht einmal für die Kaltmiete einer kleinen Wohnung.
Wer ist besonders betroffen?
Die Analyse zeigt deutliche regionale Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen ist der Anteil der von Wohnarmut bedrohten Babyboomer besonders hoch. Aber auch in anderen westdeutschen Bundesländern mit teuren Mietmärkten wie Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg ist die Lage kritisch. In Ostdeutschland fällt die Situation etwas milder aus, wenngleich auch dort die Renten oft niedrig sind. Allerdings sind die Wohnkosten hier meist geringer, was die finanzielle Belastung teilweise abfedert.
Besonders gefährdet sind Singles und Alleinerziehende. Bei ihnen fallen Mietkosten im Verhältnis zum Haushaltseinkommen besonders stark ins Gewicht. Auch Frauen sind häufiger betroffen als Männer, da sie im Durchschnitt niedrigere Renten beziehen, etwa aufgrund von Erwerbsunterbrechungen durch Familienarbeit.
Folgen für die Betroffenen
Wohnarmut hat weitreichende Konsequenzen. Wer mehr als 40 Prozent seines Einkommens für die Miete ausgeben muss, hat kaum noch finanzielle Spielräume. Die Betroffenen müssen oft Abstriche bei der Ernährung machen, können sich keine notwendigen Medikamente leisten oder sind gezwungen, in schlechtere Wohnungen umzuziehen. Gerade im Alter sind solche Umzüge aber oft belastend, da das soziale Umfeld in der Nachbarschaft verloren geht.
Die psychischen Folgen sind nicht zu unterschätzen. Die ständige Sorge, die Miete nicht mehr bezahlen zu können, führt bei vielen zu Angstzuständen und Schlafstörungen. Die Betroffenen ziehen sich häufig zurück, nehmen seltener am gesellschaftlichen Leben teil. Die Wohnung als Rückzugsort wird zum Ort der Belastung.
Was kann getan werden?
Experten fordern ein Bündel an Maßnahmen, um die drohende Wohnarmut zu bekämpfen. Dazu gehören der verstärkte Bau von bezahlbarem Wohnraum, eine bessere Förderung von Wohneigentum für einkommensschwächere Haushalte sowie höhere Zuschüsse zu den Wohnkosten im Alter. Auch die Erhöhung der Grundrente ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch reicht dies allein nicht aus.
Die Politik ist gefordert, langfristig zu denken. Die Babyboomer sind eine große Generation, die in den kommenden Jahren in Rente gehen wird. Ohne entschlossenes Handeln droht eine soziale Schieflage, die nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Kommunen und das Sozialsystem belasten wird. Die Zeit drängt: Jedes Jahr, das ungenutzt verstreicht, wird die Zahl der von Wohnarmut betroffenen älteren Menschen weiter steigen lassen.
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