Drinnen im neuen "Sündenpfuhl" schaut es wie beim kleinen Bruder in München aus (angeblich ist das Hofbräu Berlin Europas größtes bayrisches Wirtshaus): Kupferne Braukessel, Bierfässer, Maibäume und Maßkrüge verteilen sich auf drei Etagen. Auch an der weiß-blauen Deko wurde nicht gespart. Auf den langen Biertischen liegen Servietten mit Rautenmuster, an der Decke baumeln Wimpel mit Rautenmuster, die Kellner tragen Hemden mit

Rautenmuster.

Neben dem weltweit so begehrten Maß Bier trumpft das Hofbräu Berlin mit original bayrischen Leckerbissen auf: Leberkäs (8,10 Euro), Münchner Weißwürstl (5,10 Euro) und Brez'n (ab 1,10 Euro= können bis zum Abwinken geordert werden. Wer sich behutsam an die bayrische Küche herantasten möchte, kann sich auch die für Berlin so typische Currywurst (7,90 Euro) schmecken lassen.

Wie die Betreiber in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung verlauten ließen, sollen pro Jahr 120 Tonnen Haxen, 25 Tonnen Weißwürste und eine Million Liter Bier unters Volk gebracht werden. Zu original Münchner Preisen versteht sich: Ein Liter Bier kostet 7,20 Euro. Ob sich das der einheimische Berliner leisten kann und will? Mich würde es nicht wundern, wenn im Hofbräu Berlin vorrangig Japanisch, Englisch und Spanisch gesprochen wird.

Vielleicht werden viele (Ost)Berliner einen Blick in den neuen Bierpalast werden wollen – aus rein nostalgischen Beweggründen. Denn wie so viele Gebäude in Berlin hat auch der neue Bierpalast eine bewegte Geschichte: Vor der Wende war im Hofbräu Berlin ein Großkantine untergebracht, die im Volksmund liebevoll "Fresswürfel" genannt wurde.

Hofbräu Berlin
Karl-Liebknecht-Strasse 30
10178 Berlin
Tel: 030/23459820
Öffnungszeiten:
Freitag bis Samstag von 10 bis 2 Uhr
Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 1 Uhr