SAP ändert KI-Strategie: Künstliche Intelligenz jetzt auch ohne Cloud
06. June 2026
Der Softwarekonzern SAP vollzieht eine strategische Kehrtwende: Künstliche Intelligenz soll künftig nicht mehr zwingend an die Cloud gebunden sein. Kunden können KI-Funktionen auch lokal nutzen.
Der Walldorfer Softwarekonzern SAP ändert seinen Kurs in der Künstlichen Intelligenz. Bislang galt die Devise: KI nur in Verbindung mit der Cloud. Das stieß bei vielen Kunden auf Kritik, die sensible Daten lieber im eigenen Rechenzentrum behalten wollen. Nun lenkt das Unternehmen ein und ermöglicht KI auch auf lokalen Systemen.
Wandel unter Druck
Der Schritt kommt nicht überraschend. In den vergangenen Monaten mehrten sich die Stimmen aus der Wirtschaft, die eine flexiblere Nutzung von KI-Tools forderten. Besonders Unternehmen aus regulierten Branchen wie Banken, Versicherungen und der öffentlichen Verwaltung zögerten mit dem Umstieg in die Cloud. SAP-Chef Christian Klein hatte die Cloud-Strategie zuvor als alternativlos bezeichnet. Doch der Druck der Kunden und die veränderte Marktsituation zwingen nun zu einer Neuausrichtung.
SAP will künftig KI-Modelle anbieten, die sowohl in der Cloud als auch auf den Servern der Kunden laufen. Das betrifft vor allem die hauseigene KI-Plattform, die in die Geschäftssoftware integriert wird. Die Technologie soll es ermöglichen, Prozesse zu automatisieren, Daten auszuwerten und Vorhersagen zu treffen – ohne dass die Daten das Unternehmen verlassen müssen.
Herausforderungen für die Integration
Die Umsetzung ist komplex. KI-Modelle benötigen große Rechenleistung und spezielle Hardware, etwa Grafikprozessoren. Nicht jedes Unternehmen verfügt über die entsprechende Infrastruktur. SAP plant daher, vorkonfigurierte Systeme anzubieten, die sich in bestehende IT-Landschaften einfügen lassen. Zudem soll es hybride Modelle geben, bei denen sensible Daten lokal bleiben und weniger kritische Prozesse in der Cloud laufen.
Die Kehrtwende zeigt, wie sehr sich der Markt für Unternehmenssoftware verändert. Künstliche Intelligenz ist zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Konkurrenten wie Microsoft oder Google setzen ebenfalls auf KI-Integration, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze bei der Datenhaltung. SAP muss sich nun positionieren, ohne die eigene Cloud-Strategie komplett aufzugeben.
Auswirkungen auf Kunden und Partner
Für bestehende SAP-Kunden eröffnet die neue Strategie Spielräume. Viele Unternehmen hatten Investitionen in KI zurückgestellt, weil sie die Cloud-Pflicht ablehnten. Nun können sie schrittweise KI-Lösungen einführen, ohne ihre Sicherheitsrichtlinien zu ändern. Das könnte die Digitalisierung in konservativen Branchen beschleunigen.
Allerdings müssen Kunden mit höheren Kosten rechnen. Lokale KI-Systeme sind in der Anschaffung teurer als Cloud-Dienste, bei denen die Infrastruktur gemietet wird. Auch der Wartungsaufwand ist höher. SAP arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Kosten durch Standardisierung zu senken.
Partner und Systemhäuser sehen die Entwicklung positiv. Sie können ihren Kunden nun maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die je nach Bedarf in der Cloud oder vor Ort laufen. Das erweitert das Geschäftsfeld und stärkt die Bindung an das SAP-Ökosystem.
Branche beobachtet die Entwicklung
Die Neupositionierung von SAP wird von der gesamten Softwarebranche aufmerksam verfolgt. Sollte der Ansatz erfolgreich sein, könnten andere Anbieter folgen. Bislang galt die Cloud als alternativer Weg für KI-Anwendungen. Die lokale Variante galt als teuer und schwer skalierbar. SAP zeigt nun, dass beide Wege möglich sind – wenn der Kunde es fordert.
Ob die Strategie aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Analysten bewerten den Schritt positiv, warnen aber vor operativen Risiken. Die Umstellung erfordert Investitionen in Entwicklung und Vertrieb. Gleichzeitig müssen die Kunden von den neuen Möglichkeiten überzeugt werden. Ein Balanceakt, der über den Erfolg der KI-Strategie von SAP entscheiden wird.
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