MRT statt BMI: Neue Methode erkennt gefährliches Bauchfett besser
08. May 2026
Der Body-Mass-Index gilt seit Jahrzehnten als Maßstab für Übergewicht. Doch eine Studie zeigt: Das Bauchfettvolumen im MRT sagt Gesundheitsrisiken zuverlässiger voraus.
Wer sein Gewicht im Blick behält, orientiert sich meist am Body-Mass-Index. Doch der gilt zunehmend als unzureichend. Eine aktuelle Studie der Universität Freiburg zeigt: Die Magnetresonanztomographie kann gefährliches Bauchfett präziser erkennen und so das individuelle Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen besser abschätzen.
Warum der BMI an seine Grenzen stößt
Der BMI errechnet sich aus Körpergewicht und Körpergröße. Er unterscheidet nicht zwischen Muskelmasse und Fettgewebe und sagt nichts über die Fettverteilung aus. Sportler mit viel Muskelmasse gelten schnell als übergewichtig, während Menschen mit normalem BMI aber viel Bauchfett unerkannt ein hohes Gesundheitsrisiko tragen. Genau hier setzt die Freiburger Forschung an.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten mehrere hundert Probanden und verglichen die Aussagekraft von BMI und MRT. Das Ergebnis: Die im MRT gemessene Menge an viszeralem Fettgewebe – also Fett, das die inneren Organe umgibt – korrelierte deutlich stärker mit metabolischen Risikofaktoren wie erhöhtem Blutzucker oder Entzündungswerten als der BMI. Besonders für Menschen mit normalem Gewicht und hohem Bauchfettanteil könnte die MRT-Messung eine entscheidende Ergänzung sein.
Neuer Score für Hochrisikopatienten
Parallel dazu haben Fachleute einen neuen Bewertungsansatz entwickelt, der über den BMI hinausgeht: den Edmonton Obesity Staging System. Dieser Score berücksichtigt neben dem Fettverteilungsmuster auch Begleiterkrankungen und funktionelle Einschränkungen. Ziel ist es, diejenigen Patienten zu identifizieren, die trotz moderatem BMI ein hohes Risiko für Komplikationen haben – oder umgekehrt: Menschen mit hohem BMI, die metabolisch gesund sind.
- Der Edmonton-Score erfasst fünf Stufen von Adipositas-bedingten Gesundheitsproblemen
- Er kombiniert Fettverteilung, Blutwerte und körperliche Beeinträchtigungen
- Studien zeigen, dass er das Sterberisiko genauer vorhersagt als der BMI allein
Adipositas ohne Diabetes – ein oft unterschätztes Risiko
Viele Menschen mit Adipositas entwickeln Diabetes. Doch auch ohne diese Diagnose bleibt starkes Übergewicht gefährlich. Fettgewebe produziert entzündungsfördernde Botenstoffe, die Blutgefäße schädigen, den Blutdruck erhöhen und die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall steigern. Unabhängig vom Blutzuckerspiegel nimmt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit jedem zusätzlichen Kilogramm Fettmasse zu.
Die Freiburger Studie unterstreicht, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung ist. Anstatt allein auf die Waage zu schauen, könnten Ärzte künftig gezielt die Fettverteilung messen. Das MRT ist allerdings aufwendig und teuer. Für den breiten Einsatz müssten kostengünstigere Alternativen wie die Ultraschallmessung des Bauchfetts weiterentwickelt werden.
| Methode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| BMI | Einfach, kostengünstig, weltweit standardisiert | Keine Unterscheidung zwischen Fett und Muskeln, keine Fettverteilung |
| MRT | Präzise Erfassung von viszeralem Fett, hohe Aussagekraft | Teuer, zeitaufwendig, nicht flächendeckend verfügbar |
| Edmonton-Staging | Berücksichtigt Begleiterkrankungen, individualisierte Risikobewertung | Erfordert ärztliche Untersuchung, aufwendiger als BMI |
Die Forschung liefert wichtige Impulse, um Übergewicht nicht mehr als einheitliches Phänomen zu betrachten. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Fett jemand hat, sondern wo es sitzt und welche Folgen es hervorruft. Für Patienten bedeutet das: Ein normaler BMI ist keine Garantie für Gesundheit – und ein hoher BMI muss nicht zwangsläufig schwerwiegende Konsequenzen haben. Die Medizin wird künftig genauer hinschauen müssen.