Das skandinavische Land ist weltweit das erste, in dem Menschen zwei Jahre lang Geld vom Staat erhalten, ohne dass sie dafür eine Gegenleistung erbringen müssen: Sie bekommen es bedingungslos.

Warum testet Finnland bedingungsloses Grundeinkommen?
Durchgeführt beziehungsweise betreutet wird das auf zwei Jahre angelegte Projekt vom finnischen Sozialversicherungsinstitut Kela. Dort leitet Marjukka Turunen das Einkommensexperiment.

Erst kurz vor Silvester sollen die 2.000 per Los ermittelten Arbeitslosen der Altersgruppe 25 bis 58 Jahre erfahren, dass sie zu den Teilnehmern gehören – die Briefe wurden laut Kela-Homepage am 28. Dezember verschickt.

Der Betrag, den die Ausgewählten pro Monat vom Staat als bedingungsloses Einkommen erhalten, belaufe sich auf 560 Euro – Geld, das nicht versteuert werden muss. Als erster Zahltag ist der 9. Januar 2017 vorgesehen.

Darüber hinaus dürfen die Probanden Geld dazuverdienen, woraus ihnen keine finanziellen Nachteile entstehen sollen.

Mit dem landesweiten Test will Finnland zum einen herausfinden, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen eine Vereinfachung des finnischen Sozialsystems zur Folge habe, und zum anderen, ob so mehr Menschen in Arbeit gebracht werden können. Des Weiteren müssten weniger Formulare ausgefüllt werden, was zum Abbau von Bürokratie betragen würde.

Seitens des Sozialversicherungsinstituts besteht die Hoffnung, die Arbeitslosen durch das bedingungslose Grundeinkommen zum Arbeiten motivieren zu können. Nicht wenige Empfänger von Sozialleistungen würden nämlich keine geringfügig bezahlten Jobs annehmen.

Warum? Weil sie nach Abzug der Steuern möglicherweise finanziell schlechtergestellt sind als ohne solche Jobs, so Turunnen in einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur.

Experiment ohne Interviews, ohne Fragebögen
Da das Verhalten und/oder die Erwartung der Probanden durch Befragungen beeinflusst werden könnte, sollen während der Testphase keine Interviews durchgeführt und keine Fragebögen ausgefüllt werden. Ob die Teilnehmer Arbeit finden innerhalb der nächsten 24 Monate soll einzig anhand von Registrierungsdaten ermittelt werden.

Marjukka Turunen: „Sie können sich darauf verlassen, dass das Geld pünktlich kommt. Was sie damit machen, ist ihre Sache.“