Die längerfristige Prognose ist das Resultat einer gemeinsamen länderübergreifenden Marktanalyse, die von Mitarbeitern der KPMG International Cooperative (KPMG) und des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) gemacht wurde. Von Relevanz seien in zwölf Jahren:

a) der „Small Mart“ als ein lokaler Laden wie der Tante-Emma-Laden mit hoher sozialer und emotionaler Komponente, der zentral gelegen und leicht zu erreichen ist;
b) der „Smart Mart“ als Einkaufs- oder Abholstelle für technologisch gut vernetze Kunden, die ihre individualisierten Produkte selbst abholen;
c) der „All Mart“ als großer Laden, in dem bei niedrigen Logistikkosten ein umfangreiches und verändertes Sortiment angeboten wird, das konsequent auf Emotionalität ausgerichtet ist sowie
d) der „Call Mart“ als Internet-basierter Laden, der aufgrund niedriger Logistikkosten sehr anspruchsvolle Kunden in puncto Funktionalität flexibel beliefert.

Für diese Studie, die Mitte April dieses Jahres veröffentlicht wurde, seien führende Marktteilnehmer befragt worden. Auch diese Gespräche seien berücksichtigt worden für die folgenden zehn Thesen zum Thema Zukunft des Einkaufens beziehungsweise Zukunft des Lebensmitteleinzelhandels:

1. Internetshopping nicht Marktstandard: Der Online-Anteil im deutschen Food-Markt soll moderat bleiben, weil die Bedürfnisse nach Verfügbarkeit und Spontaneität überwiegen würden.
2. Nischenlösungen mit Umbruchpotenzial: Der Wunsch nach „sicher“ erzeugten und authentischen Nahrungsmitteln steige. Bio-Lieferdienste und die Produktion beziehungsweise Verkauf direkt im Laden seien Erfolg versprechende Lösungen.
3. Einkaufen quasi um die Ecke bedeutsamer: Lebensmittel in der Nähe des Wohnorts und/oder Arbeitsorts und zu (beinah) jeder Tageszeit einkaufen können soll noch wichtiger werden.
4. Chancen durch Kommunikationskompetenz: Durch neue Ladengestaltung und zusätzliche Dienstleistungen könnten Läden neue Kommunikationsplattformen schaffen.
5. Mehr Schnittstellen mit Gastronomie: Im Handel werde einerseits das Direktverzehr-Sortiment ausgebaut. Andererseits sollen Gastronomen ausgewählte Lebensmittel zum Kauf anbieten.
6. Sogenannte Hypermärkte mit Bedeutungsverlust: Internetnutzung, eine zunehmend teurere Mobilität und der Trend zu urbanem Wohnen würden gegen große Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“ sprechen.
7. Sozialer Mehrwert durch multifunktionale Ladenkonzepte: Die Bedeutung von je nach Tageszeit unterschiedlich nutzbaren Ladenflächen

steige.
8. Kunden- und Mitarbeitergesundheit als Erfolgsfaktoren: Es werde für den Lebensmitteleinzelhandel wichtig, das Thema Gesundheit über das Angebot als gesund deklarierter Produkte hinaus konzeptionell zu erweitern.
9. Emotionalität statt Effizienzoptimierung: Das Ansprechen von Gefühlen sei der stärkste Wettbewerbsvorteil im Wettbewerb um Effizienz. Erlebnisse und Kontakte sollten den Bedürfnissen der Kunden Rechnung tragen.
10. Individualisierung des Genusses durch Flaghip-Stores: Weil standardisierte Produkte immer mehr im Internet verkauft werden, sollen in den Läden Flächen für Spezialitäten-Shops mit Naturprodukten frei werden.

Was als Ursachen für diese Entwicklung angenommen wird, kann in einer Pressemitteilung von KPMG, datiert auf den 16. April 2013, nachgelesen werden.