AfD laut Umfrage in Sachsen-Anhalt bei 41 Prozent – CDU und SPD weit abgeschlagen
06. June 2026
Wenige Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine deutliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse ab. Einer aktuellen Erhebung zufolge liegt die AfD mit 41 Prozent so weit vorn wie nie zuvor.
Knapp drei Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutet sich ein politisches Erdbeben an. In einer repräsentativen Umfrage kommt die AfD auf 41 Prozent der Stimmen und würde damit die CDU, die derzeit mit Ministerpräsident Reiner Haseloff die Regierung führt, weit hinter sich lassen. Die Union erreicht demnach nur 25 Prozent, die SPD stürzt auf elf Prozent ab. Linke, Grüne und FDP liegen jeweils unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Der Höhenflug der AfD
Noch nie zuvor verzeichnete die rechtspopulistische Partei in Sachsen-Anhalt derart hohe Umfragewerte. Vor fünf Jahren, bei der vergangenen Landtagswahl, war sie mit 20,8 Prozent Zweiter geworden. Der jetzige Wert von 41 Prozent ist eine Verdoppelung und zeigt eine tiefe Verankerung in der Bevölkerung.
Warum ist das so? Die AfD punktet vor allem mit Themen wie Migration, Inflation und dem Gefühl politischer Vernachlässigung im ländlichen Raum. Hinzu kommt eine geschlossene Parteibasis, die in den sozialen Netzwerken eine starke Mobilisierungskraft entfaltet.
Die politische Landschaft vor der Wahl
Die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff, der seit 2011 regiert, verliert zusehends an Zustimmung. Zwar gilt sie noch immer als Staatspartei, doch der Amtsbonus verpufft. Die SPD als kleiner Koalitionspartner leidet bundesweit unter Vertrauensverlusten. Bündnisgrüne, Linke und FDP sind in der Umfrage unter der kritischen Fünf-Prozent-Marke notiert, womit sie den Einzug in den Landtag verfehlen würden.
Welche Koalitionen wären möglich? Rechnerisch reicht aktuell für ein AfD-Bündnis mit einer weiteren Partei. Alle anderen demokratischen Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Eine Fortsetzung der Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen wäre bei den jetzigen Zahlen unmöglich.
Wirtschaft und Unzufriedenheit als Treiber
Die wirtschaftliche Situation in Sachsen-Anhalt ist angespannt. Die Landwirtschaft leidet unter Dürreperioden, die Industrie unter hohen Energiekosten und die Kaufkraft der Bevölkerung ist mit die niedrigste in Deutschland. Immer mehr Menschen fühlen sich von der Politik in Berlin allein gelassen.
Die AfD spricht diese Probleme direkt an, wenn auch oft mit radikalen Vereinfachungen. Sie fordert unter anderem einen Stopp der Einwanderung, niedrigere Steuern und den Austritt aus der Europäischen Union. Solche Positionen stoßen vor allem bei älteren und männlichen Wählern auf Resonanz. Eine Kurve der Arbeitslosigkeit zeigt nach oben, ebenso die der Alkoholikerzahlen im ländlichen Raum – beides Korrelate für politischen Frust.
Auswirkungen auf die Bundespolitik
Ein Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre auch ein Signal für den Bund. Die Landtagswahl gilt als Stimmungstest für die Bundesregierung, die in Umfragen auf historische Tiefststände gefallen ist. Ein AfD-Sieg würde den Druck auf Kanzler Olaf Scholz und seine Koalition weiter erhöhen. Gleichzeitig würde er die innerparteilichen Flügelkämpfe der Union verschärfen, die zwischen einer konservativen Wende und einem liberalen Kurs hin- und hergerissen ist.
Ob die AfD tatsächlich in Regierungsverantwortung kommt, ist fraglich. Denn alle anderen Parteien haben eine Brandmauer errichtet. Selbst die Linke, die in Sachsen-Anhalt nicht mehr im Landtag vertreten sein könnte, hat eine Kooperation ausgeschlossen. Die AfD könnte also stärkste Kraft werden, aber dennoch in der Opposition bleiben.
Was sagen die Wähler?
Viele Befragte geben an, aus Protest gegen die etablierten Parteien AfD zu wählen. „Die da oben machen eh, was sie wollen“, ist ein häufiger Satz. Andere fühlen sich von der Flüchtlingspolitik überfordert. Wieder andere glauben, dass nur eine harte Hand gegen Kriminelle helfen könne. Die Argumente sind vielschichtig, aber sie alle eint eines: die tiefe Entfremdung von der politischen Klasse.
Experten warnen davor, die AfD einfach zu dämonisieren. Man müsse auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören und ihre Ängste ernst nehmen. Sonst drohe eine weitere Radikalisierung.
Bleibt abzuwarten, ob die anderen Parteien in den letzten Wochen vor der Wahl noch die Kurve kriegen. Der Wahlkampf wird jedenfalls erbittert geführt werden – und das politische Klima in Sachsen-Anhalt bleibt aufgeheizt.
A. Scholl
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