E. Glenn Schellenberg und Christian von Scheve sind die Autoren der Studie: Sie haben über 1.000 Singles aus den US-amerikanischen Top 40 seit dem Jahr 1965 untersucht. Das Duo fand dabei nicht nur heraus, dass die aktuelle Populärmusik weniger fröhlich ist als vor vier, fünf Jahrzehnten, sondern auch, dass in zahlreichen Songs darüber hinaus unterschiedlich emotional getönte musikalische Stilmittel zu hören sind, weswegen die Lieder ambivalent klingen. In den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts sei vor allem fröhliche Musik im Radio und im Fernsehen gespielt worden. Seitdem habe sich der Anteil der Songs in oder mit Moll-Tonarten verdoppelt.
„Wie auch die Texte von Popsongs in den letzten Jahrzehnten selbstbezüglicher und negativer wurden, hat sich auch die Musik verändert: Sie klingt trauriger und emotional ambivalenter“, werden Schellenberg und von Scheve in einer Pressemitteilung der Freien Universität Berlin zitiert. Die beiden schlussfolgern: „Popmusik-Hörern gefallen heute emotional komplexere Stücke.“
Zu den eventuellen Ursachen für diese Entwicklung meint von Scheve: „Gefühle rücken zunehmend in den Mittelpunkt unseres Selbstverständnisses. Zudem ist Ambivalenz eine wichtige Facette der Modernisierung. Beides führt zu einem reflexiven Umgang mit Emotionen, der sich in der Populärmusik spiegelt“, wobei er es

für falsch hält, dass die Menschen immer trauriger werden, da sie traurige Musik hören, oder dass sie trauriger sind, weil sie traurige Musik komponieren. „Die Botschaft ist vielleicht eher: Auch Traurigkeit kann genossen werden“, so der Soziologe.
Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts“ publiziert.