Bevor wir uns ganz bewusst unseren schwierigen Gefühlen zuwenden, ist es wichtig durch die Atem-Meditation oder auch durch die Geh-Meditation all die Energien in uns zu nähren, die uns Stabilität, Gelassenheit und Freude bringen.

Wir können uns auch klar machen, dass alle geistigen Gebilde als Samen in unserem Speicherbewusstsein liegen (als heilsame, unheilsame oder neutrale Samen) und aufgrund von bestimmten Bedingungen in unserem aktuellen Geistbewusstsein in Erscheinung treten.
Als erstes ist es wichtig, die schwierigen Geisteszustände zu erkennen, uns bewusst zu sein, wenn sie da sind, sie nicht zu verdrängen, indem wir sagen: "Ich bin doch nicht ärgerlich, oder enttäuscht oder verzweifelt", sondern uns einzugestehen:
"Aha jetzt ist Verzweiflung, Ärger oder Enttäuschung da."

Als zweites spüren wir den Atem und nehmen die körperlichen Empfindungen mit der Ein –und Ausatmung wahr.
Das erzeugt schon nach einigen Minuten der Übung etwas Stabilität und Frische in unserem Körper und Geist.
Und als drittes bringen wir unseren schwierigen Geisteszuständen großes Mitgefühl, Güte und Geduld entgegen.
Einfach nur die Frage zu stellen: „Kann ich diesem Ärger, dieser Verzweiflung, dieser Depression Mitgefühl entgegenbringen?“ unterbricht die Identifikation mit dem schwierigen Gefühl und schafft Raum.

Wir werden uns auch immer mehr bewusst, dass wir durch unsere Achtsamkeit und die Entwicklung von Mitgefühl die Freiheit entwickeln können, uns nicht von negativen Gefühlen vereinnahmen zu lassen, indem wir dauernd die Geschichte wiederholen, die zu ihnen geführt hat.
Wir sind bereit, uns als Übende zu verstehen, unsere CD, unsere Platte zu wechseln. Und irgendwann fängt diese Übung an, uns richtig Spaß zu machen. Das ist ein Zeichen von großem Fortschritt in unserer Übung.
Oft sind wir aber zu stolz, uns einzugestehen, dass wir an negativen Gefühlen festhalten. Das passt nicht in unser positives Selbstbild, v.a. wenn wir uns schon längere Zeit auf dem spirituellen Weg befinden.

Wenn wir auf diese Art und Weise regelmäßig mit unseren schwierigen Geisteszuständen üben, immer dann wenn sie auftauchen, können sie geschwächt in unser Speicherbewusstsein absinken und wir fangen an, sie auf einer tiefen Ebene zu heilen und alte leidbringende Strukturen lösen sich allmählich auf.

Die Schönheiten des Lebens inmitten von schwierigen Gefühle entdecken.

Dies ist eine wichtige Übung, die uns hilft zu lernen, die einseitige, uns einengende Brille unserer Wahrnehmung zu erweitern, wenn wir uns von unseren schwierigen Gefühlen vereinnahmt fühlen. Diese Übung hilft uns, die positiven Samen in unserem Speicherbewusstsein zu stärken.

  1. Einatmend spüre ich wie ich einatme Ausatmend spüre ich wie ich ausatme
  2. Einatmend genieße ich die ganze Länge der Einatmung Ausatmend genieße ich die ganze Länge der Ausatmung
  3. Einatmend bin ich mir eines Gefühls der Verzweiflung bewusst Ausatmend höre ich das Rascheln des Herbstlaubes unter meinen Füßen
  4. Einatmend bin ich

    mir eines Gefühls der Ungeduld bewusst Ausatmend lausche ich dem Strömen des Regens und fühle mich vollkommen geborgen zuhause.

  5. Einatmend bin ich mir eines Gefühls der Unsicherheit bewusst Ausatmend bin ich in Kontakt mit der Stabilität und Gelassenheit des alten Baumes
  6. Einatmend bin ich mir eines Gefühls des Ärgers bewusst Ausatmend beobachte ich wie die Eichhörnchen von Ast zu Ast springen
  7. Einatmend bin ich mir eines Gefühls der Enttäuschung bewusst Ausatmend freue ich mich über das Lächeln eines Menschen in der U-Bahn
  8. Einatmend bin ich mir der Kostbarkeit meiner geistigen Übung bewusst Ausatmend lächle ich.