Die beiden Forscherteams haben für ihre Studie mit Kollegen der Emory Universität in Atlanta, im US-Bundesstaat Georgia, und der Universität von Miami, im US-Bundesstaat Florida, zusammengearbeitet. Durch ihre Forschungsarbeit, die in der Juni-Ausgabe 2013 der Fachzeitschrift „American Journal of Psychiatry“ veröffentlicht wurde, konnte gezeigt werden,

dass emotional misshandelte beziehungsweise vernachlässigte sowie sexuell missbrauchte Kinder später eine veränderte Gehirnstruktur haben. Wie stark diese Veränderung ausfalle, hänge davon ab, welche Form der Misshandlung oder des Missbrauchs die Kinder erlebt haben.
Daten erhoben wurden für diese Studie mit 51 Teilnehmerinnen mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT). Damit wurde auch die Dicke der Großhirnrinde (Kortex) gemessen. Sie ist die äußere Schicht des Großhirns, in der sich sehr viele Nervenzellen (Neuronen) befinden: Bei den Probandinnen, die als Kind sexuell missbraucht wurden, ist zum Beispiel der sogenannte somatosensorische Kortex in dem Bereich deutlich dünner, dem die weiblichen Genitalien zugeschrieben werden. Bei den Frauen, die als Kind emotional misshandelt wurden, war die Hirnrinde in den Bereichen signifikant dünner, denen eine wesentliche Funktion in puncto Etablierung des Selbstbewusstseins, der Selbsterkennung und der emotionalen Regulation zugeordnet wird.
Die Forscher vermuten, dass eine Verdünnung der Großhirnrinde in bestimmten Hirnarealen möglicherweise eine Folge der Aktivität hemmender Nervenzellschaltkreise während der frühen Entwicklung ist. Das könnte ein unmittelbarer Schutzmechanismus des Gehirns sein, der im Erwachsenenalter zur Folge hat, dass diese Menschen psychisch erkranken oder eine gestörte Sexualität haben.