Dabei heißt es in der buddhistischen Tradition, dass rechtes Bemühen zu großer Freude und zur Befreiung führt.
Rechtes Bemühen hat nichts damit zu tun, dass wir uns anstrengen, um möglichst viel Geld zu verdienen, oder uns anstrengen, um anerkannt und berühmt zu werden oder möglichst geschickt andere Menschen auszuspielen, um selbst gut dazustehen. Diese Formen von Anstrengung kennen wir aus dem weltlichen Leben, wo es in unserer Gesellschaft darum geht, in allen Bereichen Erfolge aufzuweisen, und diese Art von Anstrengung kann uns und unserer Umgebung viel Stress und Leiden bringen.

Frage: Um was geht es bei dem rechten Bemühen, von dem der Buddha so oft spricht: als einem der fünf geistigen Fähigkeiten und Kräfte, als sechstem Faktor des achtfachen Pfades zum Glück, als drittem Faktor der Erleuchtung, als einer der sechs Vollkommenheiten des Geistes?
Beim rechten Bemühen geht es darum, uns nicht unseren negativen Gewohnheitsenergien zu überlassen, die uns selbst und anderen Leiden verursachen, sondern gegen diesen Strom der leidbringenden Gewohnheitsenergien zu schwimmen und dieses Schwimmen zu genießen.
Einfach ausgedrückt bedeutet das, achtsam zu sein, in Bezug auf unser Denken, unser Reden und unser Handeln.
Was können wir tun, um Rechtes Bemühen zu üben?

Der Buddha hat uns vier große Bemühungen gegeben, die wir praktizieren sollen, wenn wir unser Leiden überwinden wollen und Zufriedenheit, Freude und Freiheit in unser Leben einladen wollen:

  1. verhindern, dass unheilsame Samen aus unserem Speicherbewusstsein in unser Geistbewusstsein aufsteigen
  2. dafür sorgen, dass unheilsame Samen, die bereits aufgestiegen sind, wieder ins Speicherbewusstsein zurückkehren,

    sodass wir uns selbst und anderen Wesen kein Leid zufügen auf der materiellen und geistigen, gefühlsmäßigen Ebene

  3. Wege finden, um die heilsamen Samen, die in unserem Speicherbewusstsein noch schlafend liegen, aufzuwecken, sodass sie in unser aktuelles Geistbewusstsein kommen können und uns helfen, sinnvoll, klar, liebevoll und mitfühlend zu sprechen und zu handeln.
  4. die heilsamen Samen, die bereits in unserem Geistbewusstsein aufgestiegen sind, zu nähren und zu kräftigen, damit sie voll erblühen; d.h. auch, dass wir aufpassen, dass wir sie von anderen Menschen nicht zerstören lassen.

Es ist sehr hilfreich mit anderen zusammen zu üben; das bestärkt uns, unsere eigenen heilsamen Samen wachsen zu lassen. Manche unserer Mitpraktizierenden inspirieren uns durch ihr Beispiel an Güte, Mitgefühl, Gelassenheit und Großzügigkeit. Andere wiederum fordern uns heraus, weil sie ungeduldig, verurteilend und ärgerlich sind.
Wir müssen uns genau anschauen, welche Energien wir aufnehmen: Gerade am Anfang unseres Übungsweges, wenn unsere heilsamen Samen noch sehr schwach sind, d.h. wenn unsere Güte, unser Mitgefühl, unsere Gelassenheit, unser Verstehen, unsere Achtsamkeit noch unterentwickelt sind, ist es wichtig mit solchen Menschen oft zusammen zu sein, die schon ein Stück des Weges gegangen sind und uns als lebende Beispiele inspirieren können. Das sind unsere edlen Freunde/innen sind, wie es so schön heißt.
Energieübertragungen finden dauernd statt und wenn wir zum Beispiel unser bisheriges Leben mit Rennen verbracht haben: immer hinter irgendetwas herrennen oder vor etwas wegrennen oder einfach nur rennen, weil unsere Mutter unser Vater, unsere ganze Gesellschaft ständig am Rennen sind, dann bedeutet es eine richtige „Kur“ für unseren Geist, uns einmal eine zeitlang an einem Ort, z.B. einem buddhistischen Kloster oder Zentrum aufzuhalten, wo nicht mehr gerannt wird.
Wir sehen die Nonnen und Mönche wie sie sich in Achtsamkeit bewegen, wie sie miteinander sprechen, wie sie zuhören, wie sie putzen, Essen zubereiten, Mikrophone anschließen, bei Schwierigkeiten nicht durchdrehen, sondern ihre Ruhe und Gelassenheit bewahren.
Ihre ruhige Energie geht auf einer zellulären Ebene auf uns über. Sie stecken uns an mit dem einem wunderbaren Virus, der Achtsamkeit, Konzentration, Güte, Mitgefühl und Verstehen heißt. Durch das Zusammensein mit einer Sangha (Gemeinschaft), die miteinander übt, brauchen wir uns gar nicht groß anstrengen, wir brauchen nur offen zu sein für ihre Energie, und schon kann sie sich in uns ausbreiten.
In jedem Augenblick unseres Lebens in achtsamen und maßvollen Bewegungen anzukommen, eine ganze Einatmung und Ausatmung wirklich zu spüren, hilft uns, unserem unruhigen Geist Frieden und Gelassenheit zu gönnen, so dass er nicht mehr vom Körper abgetrennt ist.
Das ist wirkliche Heilung, die mitten in unserem Alltag stattfinden kann. Wenn wir merken, dass wir wirklich ganz wach, ganz präsent, friedvoll und gelassen sind, können wir uns an unserer eigenen Übung erfreuen und anderen helfen, wenn es ihnen nicht so gut geht.

Mitten im Alltag: Atmen und Lächeln – für mich selbst und für Andere!