Der Geist sagt: Dieser Schmerz sollte nicht da sein. Aber wie es so schön in den „Fünf täglichen Betrachtungen“ des Buddha heißt: Wir sind alle immer wieder in unserem Leben körperlichen Schmerzen und Krankheiten ausgesetzt. Diesem Tatbestand können wir nicht entgehen. Dieser Körper ist nicht so eingerichtet, dass er nur angenehme Gefühle produziert, sondern es gibt auch unangenehme und neutrale Gefühle.
Wir können natürlich eine Schmerztablette nehmen, um versuchen den Schmerz wegzuzaubern, aber oft ist das nicht möglich, weil die Nebenwirkungen der Schmerzmittel z.B. bei chronischen Schmerzen zu groß sind oder der Schmerz so groß ist, dass er alle Medikamente übertönt.
Es ist gut, wenn wir schon bei kleinen körperlichen Schmerzen anfangen mit ihnen zu üben, dann

fällt uns die Übung im Ernstfall leichter, auch mit größeren körperlichen Schmerzen umzugehen, wenn keine Schmerzmittel mehr helfen.

  • Die erste Stufe im Umgang mit Schmerz besteht darin, dass wir uns wirklich der schmerzhaften Empfindungen bewusst sind und bereit sind, sie in diesem Augenblick zuzulassen. Dabei hilft uns die einfache Frage: Kann ich diesen Schmerz wirklich spüren?....oder... Kann ich offen sein für diesen Schmerz?...oder.......Kann ich diesen Schmerz wirklich zulassen?
  • Wir erforschen den Schmerz, schauen ob er eher diffus ist oder spitz, drücken oder ziehend, pulsierend oder.....
  • Wir spüren, ob er sich mit der Ein –oder Ausatmung verändert. Wird er stärker oder schwächer oder bleibt er gleich?
  • Nachdem wir ihn erforscht haben, gehen wir zu einer anderen entfernteren Stelle im Körper, wo es keinen Schmerz gibt im Augenblick, sondern neutrale oder angenehme Empfindungen. Wenn wir z.B. Kopfschmerzen haben, könnten wir unsere Aufmerksamkeit zu den Füßen oder den Händen bringen und dort die Empfindungen spüren.
    Das hilft uns, unser Wahrnehmungsfeld zu erweitern, sodass der Schmerz unseren Geist nicht total dominieren kann. Wir geben dem Schmerz einen weiten Raum, in dem er unter anderen Empfindungen da sein kann. Manchmal löst er sich in diesem weiten Raum auf, manchmal bleibt er da.
    Natürlich sollten wir zum Zahnarzt, wenn wir Zahnweh haben und abklären ob er helfen kann.
  • Wir stellen die Frage. Kann ich diesen unangenehmen Empfindungen z.B. in meinem Kopf voller Mitgefühl. begegnen? Es ist spannend zu spüren was an dem Ort, wo wir den Schmerz spüren passiert, während wir diese Frage stellen. Wie verändert sich das schmerzhafte Gefühl während wir diese Frage stellen?
    Diese Frage lässt Offenheit und Empfänglichkeit für unser Leben in diesem Augenblick in unserem Bewusstsein entstehen. Und das ist die wichtigste innere Haltung, die wir dem körperlichen Schmerz entgegenbringen können, damit er sich nicht in Leiden, in geistigen Schmerzen weiter fortsetzt. Die geistige Übung, mit Schmerzen achtsam, offen und mitfühlend umzugehen können wir unser ganzes Leben lang praktizieren, denn Gelegenheiten dazu gibt es viele. Sie bringt unserem Geist Frieden, Gelassenheit und Stabilität, der normalerweise bei der kleinsten körperlichen Unbequemlichkeit in die Reaktion von „Fight or Flight“ (=dagegen ankämpfen oder fliehen) verfällt.