Gerhard Schmelz ist Kriminologe. Gemeinsam mit Studenten des Fachbereichs Polizei der Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden hat er Tätowierungen von Häftlingen untersucht. Gehören die Träger zu kriminellen Banden, stellen die Hautbilder größtenteils geheime Botschaften dar. Laut „Tagesschau.de“ verweist beispielsweise die Anzahl von Kirchenkuppeln auf die Anzahl der im Gefängnis verbrachten

Jahre – zumindest innerhalb der osteuropäischen Mafiavereinigung „Diebe im Gesetz“. „Die Madonna ist bei der Bande das Zeichen für Kriminalität, damit will die Person sagen: Ich bin ein Krimineller, weil meine Mutter mich nicht davor bewahren konnte“, wird Gerhard Schmelz zitiert.
Für die Recherche wurden das Internet und Fahndungsakten durchsucht und zahlreiche Interviews geführt: „Wir haben mit Hilfe eines Fragebogens in Tätowierungsstudios nach Bedeutungen gesucht, haben mit Verhafteten, mit Experten des BKA und der Landeskriminalämter gesprochen.“ Die Ergebnisse waren überraschend: „Auf der Oberfläche der Haut können sie bei Bandenmitgliedern erfahren, was für ein Leben die Person bisher geführt hat. Das ist tatsächlich so! Es finden sich konkrete Hinweise über die Verbrecher-Gruppe, den Hierarchie-Platz der Person in der Gruppe und auch oft über die begangenen Straftaten.“ Schmelz hat sich nicht nur mit der symbolischen Tattoo-Bedeutung osteuropäischer Mafiosi, sondern auch die der Neonazi-Szene, chinesischer Triaden und der japanischen mafiösen Organisation Yakuza befasst.
Übrigens passt als Filmtipp zu diesem Thema David Cronenbergs „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“ mit einem tätowierten Viggo Mortensen in der Hauptrolle...